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Promotionsvorhaben


Julana Bredtmann M.A.

Entnazifizierung in der ehemaligen Reichshauptstadt Berlin

Gegenstand der Dissertation ist die transnationale Geschichte der Entnazifizierungspolitik in der Viermächte-Stadt Berlin von 1945 bis 1949 mit Rückblicken auf ihre Planung während des Zweiten Weltkrieges und Ausblicken auf ihre Beendigung nach der doppelten Staatsgründung.
Vor und nach Kriegsende zirkulierten zwischen Berlin, London, Moskau, Paris und Washington unter politischen, militärischen, geheimdienstlichen, (quasi-) wissenschaftlichen und emigrantischen Akteuren verschiedene Analysen des Nationalsozialismus und Strategien seiner Überwindung. Ihre vielzähligen - teils konträren, teils gegenseitig rezipierten und komplementären Konzepte - prägten in vielerlei Hinsicht die Praxis der personalpolitischen Säuberung in der Viersektorenstadt. In Berlin als Stadt zwischen Ost und West, so soll gezeigt werden, kennzeichnet sich die Entnazifizierung durch ein von den Besatzungszonen zu unterscheidendes, eigenständiges Modell und eine, wenn auch konfliktreiche, so dennoch weitgehend gemeinsame Politik der vier Besatzungsmächte.
Das interalliierte Gremium der Alliierten Kommandantur konstituierte sich nach kurzer Zeit der alleinigen sowjetischen Besatzung im Sommer 1945, regierte die Stadt drei Jahre lang und zerbrach während der administrativen Teilung im Kontext des Ost-West Konflikts bevor die Entnazifizierung als abgeschlossen galt. Das leitende Erkenntnisinteresse besteht darin, für diesem Zeitraum Ideen, Strategien und (Miss-) Erfolge der Beseitigung des nationalsozialistischen Einflusses multiperspektivisch zu erörtern. In einer politik- und verflechtungshistorischen Analyse zentraler interalliierter, alliierter und deutscher Archivbestände soll das Berliner Entnazifizierungsmodell, seine Konzeption und Praxis in ihren Ursachen und Etappen dargestellt und problematisiert werden.