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Promotionsvorhaben


Adrian Brauneis, M.A.


Animal rationale. Studien zur literarischen Soziologie der Romane von Ernst Weiß

Die Promotion untersucht ausgewählte Romane des deutsch-jüdischen Schriftstellers Ernst Weiß (1882-1940). Gegenstand des ersten Teils der Arbeit, ihres Theoriesettings, sind die Begründung der Rede von literarischer Soziologie sowie die Entwicklung einer an Pierre Bourdieus Literatursoziologie anschließenden hypothetisch-deduktiven Interpretationsmethodik. Nachdem auf diesem Weg die literaturtheoretische Bedeutungs- respektive Interpretationskonzeption der Untersuchung des Weiß'schen Œuvres erarbeitet worden ist, soll mit dem zweiten Teil des Promotionsvorhabens in Form einer feldtheoretisch begründeten Problemgeschichte der literarischen Soziologie der Romane Weiß' ein grundsätzlicher Beitrag zur Ernst-Weiß-Forschung geleistet werden. Im Fokus des Erkenntnisinteresses steht die okzidentale Gesellschaftsgeschichte als Pathogenese der "totalitären Versuchung" (Detlev J. K. Peukert) des 20. Jahrhunderts, wie sie Weiß in seinen Romanen am Leitfaden einer erzähltechnisch komplexen Aufklärungskritik ins Werk setzt. Sie verfolgt Weiß, ausgehend von seiner Darstellung der Selbstentfremdung des Menschen unter den Bedingungen moderner Zivilisation in den frühen Romanen Die Galeere (1913) und Der Kampf (1916), über den Weltkriegsroman Mensch gegen Mensch (1919) bis hin zum Boëtius von Orlamünde (1928), um schließlich (stark vereinfacht gesprochen) in seinen späten, ab 1933 im Prager und Pariser Exil verfassten Romanen den dialektischen Umschlag der modernen Zivilisation in "das entfesselte Wirken der Barbarei" (Ernst Weiß) aus dem Traum rationaler Naturbeherrschung herzuleiten.