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Promotionsvorhaben


Matthias Thaden M.A.

Exilkroatischer Aktivismus als Herausforderung für die Bundesrepublik Deutschland

Im Rahmen meines Dissertationsprojekts beschäftige ich mich mit den Aktivitäten kroatischer Emigranten und ihrer Rezeption in der Bundesrepublik Deutschland. Damit soll ein Beitrag zur Erforschung der Kontinuitäten und Brüche der politischen Betätigung von Teilen der Funktionseliten europäischer Quisling-Regime und nationalsozialistischer Satellitenstaaten nach 1945 geleistet werden. Das Projekt fokussiert insofern einen Aspekt der Nachkriegsgeschichte, der in der deutschen und europäischen Historiografie bislang eher vernachlässigt wurde. Insbesondere interessieren hierbei die ab den 1960er Jahren von Teilen der kroatischen Emigration ausgehende politische Gewalt und die Frage, wie Staat und Gesellschaft in der Bundesrepublik darauf reagierten. Meine Dissertation bewegt sich damit an der Schnittstelle von Innen-, Justiz- und Migrationsgeschichte und geht von einem Nexus dieser Politikfelder deutlich vor der üblich auf das Münchener Olympiaattentat von 1972 datierten Zäsur aus. Mithilfe des methodologischen Instrumentariums einer kulturhistorisch ausgerichteten "Neuen politischen Geschichte" und sozialwissenschaftlichen Ansätzen der "securitization theory" sollen die Konjunkturen und Dynamiken der Politisierung von exilkroatischem Politaktivismus während der 1950er bis in die 1980er Jahre herausgearbeitet werden. Hierfür greife ich einerseits auf die Überlieferungen der Innen- und Justizministerien sowie der Staatskanzleien bzw. des Bundeskanzleramts auf Bund- und Länderebene und dem Auswärtigen Amt zurück. Zudem werden durch die Auswertung der deutschen Tageszeitungen auch mediale Diskurse berücksichtigt. Andererseits wird diese Arbeit eine transnationale Perspektive auf die bundesdeutsche Innen- und Sicherheitspolitik entwickeln. Es werden daher auch Bestände aus dem kroatischen Staatsarchiv ausgewertet sowie die Organe der verschiedenen kroatischen Exilgruppen. So soll ein Narrativ ermöglicht werden, in dem nicht nur die deutschen politischen Akteure die Subjekte sind, sondern diese in Zusammenhang gebracht werden mit den Handlungs- und Interventionsmöglichkeiten der jugoslawischen Politik sowie auch der kroatischen Exilanten selbst.