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Promotionsvorhaben


Dr. des. Gerd Kühling

NS-Erinnerung in Berlin. Verfolgte des Dritten Reiches und geschichtspolitisches Engagement im Kalten Krieg 1945-1979

Das Promotionsprojekt untersucht den Umgang mit dem Nationalsozialismus in Ost- und West-Berlin bis in die siebziger Jahre und fragt nach den Auswirkungen von Kaltem Krieg und deutscher Teilung auf die Gedenkpolitik in der Stadt. Im gespaltenen Berlin, dem Brennpunkt des Ost-West-Konflikts, wurde die Erinnerungs- und Memorialkultur besonders ausgeprägt in die ideologisch gegensätzlichen Sichtweisen der Protagonisten des Kalten Krieges gezwungen. Ziel des Vorhabens ist es jedoch, ihre strukturellen Gemeinsamkeiten zu erarbeiten. Diente das Gedenken an die gemeinsame Vergangenheit auf beiden Seiten zur Legitimierung des eigenen Herrschaftssystems, zur Integration und Identifikation der Bevölkerung und zur Abgrenzung vom anderen deutschen Staat, so scheint für beide Teile der Stadt zu gelten: Je brisanter der Ost-West-Konflikt wurde, desto bedeutsamer war es mit Blick auf die Erfolgschancen von Erinnerungsinitiativen, ihr Anliegen in den Konfliktkontext einzuordnen, mit anderen Worten: Wollten sie eigene Akzente setzen, so mussten diese im Systemkonflikt nutzbar sein. Diese Kausalität soll insbesondere am Wirken der ehemaligen Verfolgten des Naziregimes, beziehungsweise ihrer Verbände nachvollzogen werden, die in den ersten drei Nachkriegsjahrzehnten die prägenden Gedenkakteure waren. Die Frage nach dem Umgang mit der NS-Erinnerung wird komparativ anhand der Entstehungsgeschichte von Erinnerungsfeiern und Gedenktagen, Gedenkstätten und Denkmälern untersucht. Dabei wird das Forschungsvorhaben die Sonderrolle analysieren, die Berlin in der Gedenkpolitik der DDR und der Bundesrepublik zukam, und auch der Frage nachgehen, ob von einer speziellen "Berliner NS-Erinnerung" die Rede sein kann.