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Promotionsvorhaben


Fabian Schwanzar

Vom Protest zur Erinnerung. Gedenkstättenbewegung und Geschichtspolitik 1979 bis 1990

Das Dissertationsprojekt beschäftigt sich mit dem Verhältnis von Gedenkstättenbewegung, Erinnerungskultur und Geschichtspolitik. Im Mittelpunkt steht damit ein wesentlicher Teil der öffentlichen Auseinandersetzung um die NS-Vergangenheit seit den späten siebziger Jahren. Die Debatten um die "Rückkehr der Geschichte", die Wirkungen der Fernsehserie Holocaust und die "neue Geschichtsbewegung" gehörten zur Kontroverse über die "nationale Identität" in der Bundesrepublik. Bürgervereinigungen aus dem Umfeld der "neuen Geschichtsbewegung" engagierten sich an Stätten des NS-Terrors für das Gedenken an die Opfer. Nach oftmals langjährigen Konflikten gelang es erstmals, Gedenkstätten zu errichten. Vor allem die Rede des Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker am 8. Mai 1985 stieß in der Öffentlichkeit als Ausdruck eines integrierenden Opfergedenkens auf große Resonanz.
Im Zentrum der Untersuchung stehen zwei Problemkomplexe: Erstens der Wandel der Gedenkstättenentwicklung sowie zweitens das spezifischere Gedenken an den Nationalsozialismus in der politischen Kultur. Das Promotionsvorhaben erforscht die Bürgerinitiativen als soziale und generationelle Bewegung und fragt nach der politischen Dimension der Einrichtung von Gedenk-orten. Analysiert werden die Impulse und die Vernetzung der Initiativen, die Bedeutung des Generationenwechsels für den zivilgesellschaftlichen Protest sowie die politischen Lernprozesse staatlicher Träger. Kommunalpolitische Konflikte sollen vor dem Hintergrund der Politisierung der Geschichte in der "Ära Kohl" herausgearbeitet werden. Ziel ist es zu untersuchen, welche zivil-gesellschaftlichen und staatlichen Akteure die Entstehung, Dynamik und Entwicklung von NS-Erinnerungsstätten entscheidend bestimmten und gestalteten.