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Promotionsvorhaben


Anne Giebel

Raten und Erinnern. Die Medienfigur Hans Rosenthal in der bundesdeutschen Gesellschaft

In der Nachkriegszeit entwickelte sich in der Bundesrepublik eine rege Quiz-Kultur. Ob als Gesellschaftsspiel, im Radio oder im Fernsehen: Frage- und Antwortspiele erfreuten sich in der entstehenden Medien- und Unterhaltungskultur großer Beliebtheit. Sie boten dem Publikum, darunter Leuten aus allen sozialen Schichten, ferner Politiker und Prominente ein Forum, sich in einen friedlichen Rate-Wettstreit zu begeben. Lebensentwürfe und Erfolgsgeschichten der Moderatoren, die mit Quizsendungen zur Marke ihres Senders wurden, ließen sich in diesem Kontext medial inszenieren. Einer der populärsten Unterhaltungskünstler war der RIAS- und ZDF-Moderator Hans Rosenthal (1925-1987). Versteckt in einer Gartenlaube hatte er das "Dritte Reich" in Berlin überlebt. Bald avancierte er zu Deutschlands beliebtestem Showmaster. In den siebziger Jahren äußerte Rosenthal sich erstmals als Zeitzeuge zu seiner Verfolgungsgeschichte. Zusehends wurde er zu einem Medium, in dem Unterhaltung und Erinnerung eine Verbindung eingingen. Das Dissertationsprojekt verortet die Medienfigur Hans Rosenthal in der Gesellschaftsgeschichte der Bundesrepublik. Sie nimmt Sendungen und Zeitungsberichte in den Blick, in denen breitenwirksame Vorstellungen von der bundesrepublikanischen Gegenwart und der nationalsozialistischen Vergangenheit entwickelt wurden. Im Mittelpunkt stehen die gesellschaftlichen Selbst-, Fremd- und Geschichtsbilder, die durch die mediale Kommunikation über Rosenthal entstanden; behandelt werden darüber hinaus Fragen nach dem sich wandelnden Umgang mit dem jüdischen Unterhaltungsstar in der Medienkultur der Bundesrepublik.