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Promotionsvorhaben


Daniel Logemann

Informelle Kontakte zwischen Bürgern der DDR und der Volksrepublik Polen 1970-1989

In den Staaten des Warschauer Paktes waren Kontakte zwischen den Staatsbürgern an enge, politisch vorgegebene Regeln geknüpft. Private Kontakte zwischen den Menschen waren in den staatlichen Konzepten von Völkerfreundschaft und Partnerschaft nicht vorgesehen. Unter den Bedingungen der "offenen Grenze" zwischen Polen und der DDR von 1972 bis 1980 konnten private Kontakte jedoch nicht mehr wie erwünscht kontrolliert werden, weshalb sich zahlreiche informelle "Schleichwege" im zwischenmenschlichen Kontakt auftaten. In den achtziger Jahren unternahm die DDR den Versuch, diese Tendenzen in Reaktion auf die Etablierung der Solidarność in Polen und ihrer Verdrängung in den Untergrund wieder einzudämmen. Die Studie untersucht ökonomische und ideelle "Schleichwege" zwischen Bürgern der DDR und der Volksrepublik Polen am Beispiel der Stadt Leipzig. Verschiedene Akteure der informellen Kontaktpflege werden in den Blick genommen, wie z.B. Messebesucher, Touristen, Besucher der Partnerstädte Leipzig und Krakau, Christen mit kirchlichen Kontakten nach Polen, Studenten, Oppositionelle und andere. Dabei soll der Frage nachgegangen werden, ob und wie "Schleichwege" individuelle Freiheiten des Einzelnen erweiterten und einen Ausweg aus dem jeweiligen Alltag ermöglichten. Gefragt wird, ob und inwiefern informelle Kontakte zwischen den Bürgern der Staaten des Warschauer Paktes Gemeinsamkeiten und Identitäten stiften konnten, aus denen ein gemeinsames Europa noch heute schöpfen kann.