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Promotionsvorhaben


Boris Spernol

Kalter Krieg in der Wiedergutmachung. Die Entschädigung kommunistischer NS-Verfolgter

Keine Gruppe der politisch Verfolgten der NS-Zeit hatte eine höhere Zahl von Opfern zu beklagen als die Kommunisten. Häufig waren sie (trotz Konflikten) gemeinsam mit Sozialdemokraten und Gewerkschaftern im Widerstand aktiv. An diese Solidaritätserfahrung knüpfte nach Kriegs-
ende die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) an, die sich in allen vier Besatzungszonen als überparteiliche einheitliche Organisa-
tion der rassisch, religiös und politisch Verfolgten bildete. Kommunisten waren in der Frühphase sowohl im Politikfeld als auch in der Verwal-
tungspraxis der Wiedergutmachung als Akteure tätig; unter ihnen erlangte der nordrhein-westfälische Ministerialdirigent Marcel Frenkel die größte Bedeutung. Die politischen Gegensätze zwischen Kommunisten und Sozialdemokraten brachen jedoch im Zeichen des Kalten Krieges wieder auf, was sich unmittelbar auf die Wiedergutmachung auswirkte. War es anfangs eine Selbstverständlichkeit gewesen, daß Kommunisten Entschädigungsleistungen empfingen, drohte ihnen nun der Ausschluß aus dem Kreis der Anspruchsberechtigten. Bundesergänzungsgesetz (1953) und Bundesentschädigungsgesetz (1956) boten dafür die Handhabe. Nach dem KPD-Verbot (1956) wurden vor allem Exponenten der Partei wie Heinz Renner und Karl Schabrod von Leistungen ausge-
schlossen, mit der Begründung, sie bekämpften die "freiheitlich-demo-
kratische Grundordnung". Gotthard Jasper hat hierfür die griffige Formel von den "disqualifizierten Opfern" gefunden.