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Promotionsvorhaben


Lea Horvat M.A.

Der Massenwohnbau in Jugoslawien zwischen den 1950er und den 2000er Jahren

Der Massenwohnbau stellte die Antwort auf durch blühende Industrialisierung und Urbanisierung verursachten Mangel an Wohnraum in Jugoslawien dar. Vom Staat protegiert und umgesetzt, prägt diese Wohnweise bis heute das (ex)jugoslawische urbane Gewebe und seine Skylines. Meine Studie zur Kulturgeschichte des Massenwohnbaus im (ex)jugoslawischen Raum folgt den Entwicklungen der Debatten und der öffentlichen Wahrnehmung, sowie der Gestaltung von Massenwohnbauten von ersten Entwürfen in den 1950ern bis in die postsozialistische Zeit.

Die in Betracht gezogenen Quellen stammen sowohl aus der Populärkultur (Filme, Frauenzeitschriften) als auch aus professionellen Debatten (Architekturzeitschriften, stadtsoziologische Beiträge). In jeder Epoche werden insbesondere Medien und Quellentypen ausgesucht, die sich zum jeweiligen Zeitpunkt intensiv mit dem Massenwohnbau auseinandersetzten und somit aufzeigen, welche Akteur*innengruppen und inhaltliche Schwerpunkte die Debatte besonders prägten. In der Einführungsphase waren dies, so meine These, Architekturzeitschriften, in den Phase der massenhaften Umsetzung Frauenzeitschriften und Haushaltsratgeber, in den 1970ern und 1980ern zunehmend städtebauliche und soziologische Beitrage und schließlich, im postjugoslawischen Kontext, Filme und Literatur. Um diese zu analysieren wird eine methodisch interdisziplinäre Melange aus Visual History, historischer Diskursanalyse und Ansätzen zum sozialistischen Alltag angewandt. In jedem Zeitabschnitt werden auch alternative Entwicklungen thematisiert, die sich nicht durchsetzten, um dem Facettenreichtum des jugoslawischen Massenwohnbaus gerecht zu werden und seinen Werdegang zu entteleologisieren und historisch zu kontextualisieren.

Ein weiterer Fokus liegt auf der Untersuchung intrajugoslawischer Asymmetrien, die von politischen Machtstrukturen, kulturellen sowie ökonomischen Besonderheiten der jeweiligen Republiken geprägt wurden. Diese Variationen von Massenwohnbauten waren in Jugoslawien, aufgrund eines föderalen Aufbaus, 'Marktsozialismus' und einer stark dezentralisierten Stadtplanung, wesentlich präsenter als in anderen europäischen sozialistischen Ländern und schufen das Paradoxon des heterogenen, teilstandardisierten Massenwohnbaus.