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Promotionsvorhaben


Carmen Hause 

Im Schatten Buchenwalds. Mittelbau-Dora als Gravitationspunkt der Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit in der Region Nordhausen 1945-2010

Gegenstand der Promotion ist die Geschichte des ehemaligen KZ Mittelbau-Dora vom Zeitpunkt der Befreiung bis heute. Untersucht werden soll, was nach 1945 von Mittelbau-Dora übrig blieb, dessen mentale Bilder in Anbetracht der Omnipräsenz anderer Namen wie Buchenwald oder Auschwitz im überregionalen historischen und gesellschaftlichen Bewusstsein eher unscharf erschienen bzw. kaum eine Rolle spielten. Wie wurden das ehemalige Lager und seine Geschichte in Ost- und Westdeutschland dargestellt bzw. interpretiert? Welche Akteure und Ingenieure der Erinnerung und des Vergessens waren auf welche Weise an der Repräsentation des Ortes beteiligt? Inwiefern wurde "die Sprache des Gedenkens" (Eschebach, 1999) durch die amerikanische bzw. sowjetische Militäradministration determiniert? Wie wirkte sich die Instrumentalisierung und Vereinnahmung des einstigen KZ-Komplexes durch die SED aus? Welche Botschaft, welche Angebote werden seit 1989/90 aus der Geschichte dieses Ortes abgeleitet?

Das Dissertationsprojekt geht davon aus, dass sich die (Nach)Geschichte Mittelbau-Doras als jahrzehntelanger Aushandlungsprozess der Aneignung der NS-Vergangenheit beschreiben lässt, der sich in Abhängigkeit von den jeweiligen erinnerungskulturellen Konjunkturen und politischen bzw. gesellschaftlichen Rahmenbedingungen in vielschichtigen und oft widersprüchlichen Geschichts-, Selbst- und Fremdbildern sedimentierte. Die Arbeit soll ermitteln, inwieweit das einstige KZ als Projektionsfläche unterschiedlicher und nicht selten höchst ambivalenter Deutungsmuster und Erzählstrukturen diente und in welchen ikonischen und rituellen Verdichtungen sich diese letztlich materialisierten.