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Promotionsvorhaben


Daniel Stahl

"Nazis in Südamerika". Transnationaler Diskurs und Vergangenheitspolitik

Der Zweite Weltkrieg war noch nicht zu Ende, als bereits davon die Rede war, Funktionäre des Dritten Reiches würden in Südamerika untertauchen und dort mit Hilfe von Beutegut den Wiederaufstieg des Nationalsozialismus vorbereiten. Seither haben die "Nazis in Südamerika" ihren festen Platz in den öffentlichen Debatten auf beiden Seiten des Atlantiks. Im Mittelpunkt des Promotionsprojekts stehen die Fragen, wie dieser Diskurs zustande kam, warum er auf Resonanz stieß und welche Folgen er für staatliches Handeln hatte.
Wer waren die Akteure, die für Berichte über "Nazis in Südamerika" sorgten und welche Interessen verfolgten sie? Welche transnationalen Kontakte ergaben sich zwischen den verschiedenen Akteuren? Wie reagierten die politisch Verantwortlichen diesseits und jenseits des Atlantiks? In der Debatte flossen Deutungen aus verschiedenen nationalen Kontexten zusammen und vermengten sich miteinander. Emigranten des Dritten Reiches beteiligten sich ebenso daran wie bundesdeutsche und südamerikanische Politiker; auch staatliche Organe der DDR, ferner jüdische Organisationen und NS-Verfolgtenverbände waren involviert. Die Studie beleuchtet die Bedeutung des Themas im Spannungsfeld zwischen vergangenheitspolitischen Interessen und transnationalem Diskurs. Sie fragt darüber hinaus, welche Rolle das Thema in der südamerikanischen Politik spielte, wobei Argentinien, das als der Zufluchtsort für "Nazis" schlechthin galt und sich mit überdurchschnittlich vielen Auslieferungsgesuchen konfrontiert sah, im Vordergrund steht.