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Promotionsvorhaben


Philipp Baur

Populärkultur und nukleare Bedrohung der 1980er Jahre

Die Nachrüstungskontroverse der 1980er Jahre wurde begleitet von einer bis dato unerreichten Krisen-Verarbeitung durch Populärkultur. Filme wie The Day After (1983), War Games (1983) oder When the Wind Blows (1986) warteten mit drastischen Bildern von den Folgen der Nuklearschläge auf und wurden als "realistische" Gedankenexperimente breit rezipiert. Deutsche Produktionen wie Recherche über den Tag X (1982) verarbeiteten fiktional und dokumentarisch die Nachrüstungsfrage. Ernstfall-Romane wie Pausewangs Die letzten Kinder von Schewenborn (1983) oder Anton Andreas Guhas Ende: Tagebuch aus dem Dritten Weltkrieg verkauften sich in hohen Auflagen. In der Musik erfasst die Thematik das gesamte Genrespektrum - vom unpolitischen Schlager (Nicole, Ein bisschen Frieden) bis hin zu explizit politischen Protestsongs (Beuys, Sonne kein Reagan). Ähnlich breit gefächert wie das Darstellungsmedium und die Stilrichtung erweist sich die Motivation ihrer Produzenten, vom dezidierten Sprachrohr politischen Widerstands bis hin zur bewussten Kommerzialisierung eines Zeitgeistphänomens. Der Übergang zwischen Kommerz und Protest, zwischen Konsum und Politik war fließend. Gemeinsam ist allen Beispielen, dass sie nicht nur Zeichen der Zeit waren und Ängste oder Hoffnungen spiegelten, sondern zum Gegenstand öffentlicher Thematisierungen wurden. Die Analyse der populärkulturellen Texte und ihrer medialen, politischen sowie gesellschaftlichen Kontexte ermöglicht somit einen Einblick in die unmittelbare Erfahrungswelt des Kalten Krieges der 1980er Jahre, wie er über eine rein politik-, sozial- oder diplomatiegeschichtliche Herangehensweise nicht möglich wäre.