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Promotionsvorhaben


Kristin Tolk

Die Jenaer Psychiatrie in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts

Das Forschungsprojekt untersucht die Geschichte der Jenaer Psychiatrie im 20. Jahrhundert. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie sich der Umgang mit psychisch Kranken und geistig behinderten Menschen im Laufe der Zeit verändert hat. Daher wird der Fokus der Untersuchungen vor allem auf den Verbindungslinien zwischen psychiatrischer Praxis und Gesellschaft liegen. Anhand des Jenaer Beispiels soll erforscht werden, wie sich die verschiedenen wissenschaftlichen, gesellschaftlichen und gesundheitspolitischen Akteure verhielten und dabei die Vorstellungen von Normalität und Behandlungsbedürftigkeit ihrer Zeit aufnahmen und gleichzeitig prägten. 

In diesem Rahmen widmet sich das Dissertationsvorhaben der Psychiatrischen und Nervenklinik Jena in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, schwerpunktmäßig der Zeit von Prof. Hans Berger als deren Direktor (1919-1938). Es wird die konkrete Praxis der Klinik in den Blick genommen und anhand von Einzelfallstudien beleuchtet. Dabei sollen die vorhandenen Forschungen zu Psychiatrie und nationalsozialistischen Verbrechen eingebettet werden, da vor allem die weniger gut erforschte Vorgeschichte spannende Erkenntnisse zu Radikalisierungsprozessen erwarten lässt. Zu fragen gilt es hierbei nach personellen, diagnostischen und therapeutischen Kontinuitäten und Brüchen. Dafür sollen nicht nur Leben, Werk und Selbstverständnis Hans Bergers und weiterer Ärzte eingehend untersucht werden, auch das erweiterte medizinische Personal sowie die Patienten rücken in das Blickfeld. Ziel ist es, eine an den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen ausgerichtete Arbeit vorzulegen, die Wissenschafts- und Gesellschaftsgeschichte gewinnbringend miteinander verknüpft.