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Promotionsvorhaben


Louisa Reichstetter

Satire der Zwischenkriegszeit. Deutschland, Frankreich und Spanien im transnationalen Vergleich

Sie hießen "Grillentöter", "Stachelschwein", "Le Merle Blanc" oder "Cosquillas" und natürlich "Ulk", "Simplicissimus", "Le Canard enchaîné" oder "La esquella de la torratxa". Sie waren so bunt wie boshaft,
lagen jede Woche an den Zeitungsständen der Metropolen - nie zuvor (und nie wieder) hatten Printmedien, deren Zeitkritik im Witz steckten, eine Konjunktur wie zwischen 1919 und 1939.
Ziel der Dissertation ist es, in drei europäischen Demokratien zwischen den Weltkriegen - Deutschlands erster, Spaniens Zweiter und Frankreichs Dritter Republik - nach den politischen Strategien, Entwicklungen und Auswirkungen linker sowie linksliberaler Satirezeitschriften zu fragen. Daraus ergeben sich zwei Hauptkapitel: Eines analysiert vergleichend die Entwicklung des satirischen Umgangs mit faschistischer Bedrohung, politischen Skandalen, kurz: mit Faktoren, die die Republik destabilisieren. Welche Metaphern werden wann bevorzugt gewählt? Wie verändert sich die redaktionelle Konzeption - reflektiert etwa im Verhältnis von Karikatur und Textsatire - bei verschärfter Zensur? Dann eröffnet die Arbeit die Perspektive auf die Satiriker selbst; fragt nach Berufsbild und Rollenverständnis dieser Intellektuellen im Spannungsfeld zwischen Journalismus, Kunstschaffen und Provokation: War der Glaube an die politische Wirkungsmacht der Satire das entscheidende Movens für ihre Arbeit? Oder war Humor eher der Knopf, der verhinderte, dass der Kragen platzte, um es zeitgenössisch mit Ringelnatz zu sagen?