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Promotionsvorhaben


Konstantin Fritzsche M.A.

Sport und Fußball als Transmitter von Herrschaft und Ideologie im faschistischen Italien

Die Arbeit möchte das Phänomen des Sports im faschistischen Italien als einen Transmitter von Herrschaft und Ideologie untersuchen. Dabei sollen einerseits die Dimensionen von Propaganda und Inszenierung, welche die Kommunikation des Sports vom Regime zum Subjekt beschreiben, andererseits die Realgeschichte des Sports und damit konkrete Aneignungsprozesse von Seiten der Sportler und Rezipienten hinterfragt werden.

Dass das Erbe des Faschismus bis heute sowohl strukturell als auch sym-bolisch im italienischen Sport wirksam wird, ist im historischen Bewusstsein kaum präsent. Sinnbildlich dafür steht der italienische Fußball und mit ihm die Gründung der italienischen Fußballliga Serie A im Jahr 1929, die den Höhepunkt der umfassenden Reformprozesse des italienischen Fußballs seit Mitte der zwanziger Jahre markierte. Während der italienische Sport seit dem Ende der zwanziger Jahre auf internationaler Ebene insgesamt zu einem Erfolgsgaranten avancierte, spielte der Fußball in diesem Zusammenhang eine besonders exponierte Rolle. Keine andere Sportart konnte im Kontext der Vereinnahmung des Sports im faschistischen Italien so fundamentale Siege erringen und zur Selbstlegitimierung des Regimes beitragen. Calcio (Fußball) wurde zu der Sportart, in der die italienische Nation von Sieg zu Sieg eilte, 1934 und 1938 zweimal hintereinander die Fußballweltmeisterschaft und 1936 in Berlin den Olympiatitel gewann. Aber wurde das Potential des Fußballs tatsächlich auf allen Ebenen von Staat und Partei so bedingungslos akzeptiert und gefördert, wie es die Erfolge und scheinbaren Massenfeste einer konstruierten Fußballgemeinschaft suggerierten? Wer war die vermeintlich vom Regime formierte Masse und inwiefern wurde der Faschismus in ihr als Sportkonsumenten wirksam?

Ein eindrückliches Erbe faschistischer Sportpolitik jenseits des Fußballs sind die bis heute aktiven, weitläufigen Sportanlagen des Foro Italico sowie die an gleicher Stelle gelegene Università "Foro Italico", der ehemaligen Accademia Fascista und gegenwärtig einzigen Sporthochschule Italiens, die zugleich Hauptsitz des Comitato Olimpico Nazionale ist. Die Accademia war der Ort, an dem man eine neue Generation von Leibeserziehern ausbildete, welche die Parteijugend Balilla über den Sport indoktrinieren und in diesem Sinne dem faschistischen Ideal des italiano nuovo Rechnung tragen sollte. Jener konstruierte Mythos, für den die Kategorien von Rasse, Eugenik, Krieg und Gewalt eine entscheidende Rolle spielten und der damit auch maßgeblich über den Sport definiert wurde, ist laut Emilio Gentile, "trotz seiner herausragenden Bedeutung [...] bis heute ein Randthema der Forschung geblieben."

Eine fundierte Analyse des Phänomens Sport als Mikrokosmos des italienischen Faschismus hat daher das Potential, die Spezifik faschistischer Herrschaftspraxis nicht nur aus ideengeschichtlicher, sondern auch aus sozial- und alltagsgeschichtlicher Perspektive noch klarer herauszuarbeiten und somit einen Beitrag zum Verständnis der größeren Zusammenhänge von Sport und Diktatur zu leisten.