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Promotionsvorhaben


Konrad Linke

Tanforan, Tulare, Gila River: Eine vergleichende Studie zu US-amerikanischen Internierungslagern im Zweiten Weltkrieg

Die "evacuation and relocation" von über 110.000 an der Westküste lebenden Japanoamerikanern ist außerhalb der USA kaum bekannt, wird von amerikanischen Historikern jedoch als ein Schlüsselereignis der US-Geschichte gewertet. Als "enemy race" gebrandmarkt und der Unassimilierbarkeit bezichtigt, wurden im Frühjahr 1942 sämtliche Personen japanischer Abstammung, zwei Drittel davon US-Bürger, auf Grundlage der im Februar erlassenen Executive Order 9066 inhaftiert. Einem zwei- bis fünfmonatigen Aufenthalt in provisorischen Auffanglagern folgte die Deportation in zehn Konzentrationslager, verteilt auf die Bundesstaaten Utah, Arizona, Colorado, Wyoming, Arkansas, Idaho und Kalifornien. Dort hielt die War Relocation Authority die Mehrzahl der Japanoamerikaner bis 1945 fest.
Das Dissertationsprojekt untersucht drei Lager, zu denen noch keine Forschungen vorliegen. Zum einen sollen Strategien der Alltagsbewältigung herausgearbeitet werden, wobei dem Widerstand besondere Aufmerksamkeit gilt. Wie wurde Macht ausgehandelt und welche Formen des Protests traten auf? Welche Rolle spielten Religionsgemeinschaften, Familie und die politischen und sozialen Netzwerke der Vorkriegszeit? Welche Verdrängungsmechanismen wurden angewandt, und wie wichtig waren Humor, Gerüchte und Prostitution? Zweitens erforscht die Arbeit die Auswirkungen der Gefangenschaft auf die nationale und kulturelle Identität der Japanoamerikaner. Hierbei sollen die aktuellen Theorien zu Interkulturalität empirisch geprüft werden. Schließlich werden durch den Vergleich der Lager typische Merkmale herausgearbeitet und von regionalen Besonderheiten abgegrenzt.