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Promotionsvorhaben


Janine Gaumer, M.A.

WAAhnsinn in der bayerischen Provinz. Der Konflikt um die atomare Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf 1980-1990

Das Dissertationsvorhaben über das gescheiterte Wiederaufarbeitungsprojekt in Wackersdorf beleuchtet die gesellschaftlichen Befindlichkeiten und die politische Kultur der Bundesrepublik aus der Perspektive einer Einzelfallstudie heraus, deren Thematik ein zentrales Konfliktfeld in den siebziger und achtziger Jahren war und es - wenn auch unter veränderten Bedingungen und Prämissen - auch heute noch ist. Eine der zentralen Fragen konzentriert sich dabei auf das Staatsverständnis von Bürgern jenseits der intellektuellen Elite. In Wackersdorf standen Modus und Legitimität staatlicher Gewalt zur Disposition. Was der Staat mit welchen Mittel durchsetzen kann und darf, diese Machtfrage war im Konflikt um die WAA von großer Bedeutung. Welche Erwartungen wurden von der Bevölkerung an den Staat und seine vollziehenden Organe gestellt? Welche Legitimität konnten sowohl Staat als auch Demonstranten in ihren Vorgehensweisen für sich beanspruchen, und welche internen Differenzen gab es darüber auf beiden Seiten? Wie wurden jeweils Begriffe wie "Freiheit" und "Sicherheit" definiert, die aus unterschiedlichen Gründen in Gefahr gesehen wurden? Die unterschiedlichen protestierenden Akteure in Wackersdorf werden dabei genauer in den Blick genommen und nach der Positionierung bestimmter Gruppen innerhalb des Protests - insbesondere den christlichen - und den Protest- und Radikalisierungsformen gefragt. Über diese konkrete Analyse des Protests hinaus stellt sich die Frage nach der energiepolitischen Bedeutung der WAA und ihrer Einordnung in die politische und wirtschaftliche Entwicklung der Energieversorgung in der Bundesrepublik. Die Expertenkultur, die in der Anti-Atomkraft-Bewegung eine enorme Bedeutung hatte, ist weiterhin ein Untersuchungsfeld, das in dem Dissertationsvorhaben eine Rolle spielt.