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Promotionsvorhaben


Philipp Kratz

Der Umgang mit der nationalsozialistischen Vergangenheit.
Eine Fallstudie zu Wiesbaden 1945-2005

Wie ist angemessen mit der nationalsozialistischen Vergangenheit umzugehen? Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs haben die Zeitgenossen diese Frage stets unterschiedlich beantwortet, nie endgültig, dafür aber immer kontrovers. Ziel des Dissertationsvorhaben ist es, die Antworten im Rahmen einer lokalen Fallstudie beispielhaft zu untersuchen. Der bundesrepublikanische Umgang mit dem Nationalsozialismus soll am Beispiel der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden gezeigt werden. Weniger die lokale Wiesbadener Entwicklung steht im Zentrum als die Frage nach dem exemplarischen Charakter des örtlichen Umgangs mit dem Nationalsozialismus. Obwohl die Forschung zum Thema seit den neunziger Jahren stark angewachsen ist, fehlen stadtgeschichtliche Fallstudien. Sie bieten wegen ihres engen Untersuchungsfeldes einen eingehenden Blick auf den Umgang mit dem Nationalsozialismus: Der überschaubare städtische Quellenbestand ermöglicht es, einen längeren Zeitraum in den Blick zu nehmen, der Wandel und Kontinuitäten zeigt, ferner Teilfelder überregionaler Forschungsarbeiten miteinander zu verschränken und die Motive der Handelnden sichtbar zu machen. Mit Hilfe einer interpretierenden "dichten Beschreibung" (Clifford Geertz) und den wissenssoziologischen Überlegungen Karl Mannheims werden Brüche und Dauerhaftigkeit im Umgang mit der nationalsozialistischen Vergangenheit gezeigt. Die forschungsleitenden Fragen lauten: Wie wurde zu unterschiedlichen Zeitpunkten im städtischen Raum an das "Dritte Reich" erinnert? Wie begründeten die Zeitgenossen die Thematisierung des Nationalsozialismus und welche bestimmenden Einflussfaktoren darauf lassen sich identifizieren?