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"Unterstützende Mittel"
Doping im Sportsystem der DDR und die Rolle der pharmazeutischen Industrie“

Bearbeiter
Dr. Klaus Latzel / Ekkehard Schönherr M.A.

Projektleiter
Prof. Dr. em. Lutz Niethammer

Förderung
Jenapharm GmbH & Co. KG, Jena

Kurzbeschreibung
Die Partei- und Staatsführung der DDR ordnete den Sport wie alle anderen gesellschaftlichen Teilbereiche dem Primat der Politik unter. Der Einsatz von Dopingsubstanzen im Leistungssport war eine spezielle Form der Planung, Steuerung und Intervention, in der für die Durchsetzung politischer Ziele (Leistungssport als Vehikel der Systemkonkurrenz) bis in die Sphäre des Körpers durchgegriffen wurde – häufig ohne daß die betroffenen Athleten davon wußten. Noch heute leiden ehemalige Leistungssportler und Leistungssportlerinnen unter den gesundheitlichen Folgen der Einnahme insbesondere von anabol-androgenen Steroiden.

Seit 1974/75 wurde der – vom MfS geheimdienstlich abgesicherte – Dopingkomplex zentral gesteuert. Dieser Komplex bestand aus Führungsgremien und -kadern der SED, Ministerien respektive Staatssekretariaten, Institutionen der sportwissenschaftlichen, medizinischen und pharmakologischen Forschung, sportmedizinischen Versorgungs- und Kontrolleinrichtungen, der Führung der Sportverbände, Trainern und Aktiven in den Sportclubs sowie Betrieben der pharmazeutischen Industrie, hier insbesondere dem VEB Jenapharm.

Das Forschungsprojekt fragt nach Art und Umfang der auf Dopingsubstanzen bezogenen Herstellungs-, Forschungs- und Entwicklungsarbeiten der pharmazeutischen Industrie, die zum größten Teil im Rahmen der staatlichen Auflagen des Staatsplans Wissenschaft und Technik geleistet wurden, es untersucht die Stellung des VEB Jenapharm im Gestrüpp der Verantwortlichkeiten zwischen Sportpolitik, zentralgelenkter Planwirtschaft und staatlichem Geheimnisschutz, und es fragt nach den Handlungsmotiven und Legitimationsmustern, nach dem Maß von Eigeninitiative sowie nach dem damaligen (und heutigen) Selbstverständnis der Beteiligten in der pharmazeutischen Industrie.