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Wintersemester 2016/2017


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Das Versagen des deutschen Bürgertums vor der Herausforderung des Nationalsozialismus scheint auf den ersten Blick evident. Auf den zweiten Blick ist die Diagnose weniger eindeutig - und legt die Frage nach bürgerlichen Beharrungskräften ebenso nahe wie die nach spezifischen Strategien der Aneignung und Umdeutung des nationalsozialistischen Projekts. Gefragt werden muss deshalb nach den Erwartungshorizonten bürgerlicher Milieus um 1930, nach Prozessen und Praktiken der Entbürgerlichung im "Dritten Reich", nach der Integration in eine antibürgerlich gedachte "Volksgemeinschaft". Zumal für die Kriegsjahre ist aber auch nach den Semantiken des Bürgerlichen und ihrer Veränderung zu fragen; nach bürgerlichen Räumen, Nischen und Gegenorten, schließlich nach bürgerlicher Opposition gegen das Regime.
Mit der Fokussierung auf Geschichte und Gestalt(wandel) bürgerlicher Milieus im "Dritten Reich" will das Symposion einen Anstoß geben, die vielfach noch immer 1933 endende historische Bürgertumsforschung in die NS-Zeit hinein zu verlängern und über die Zäsur von 1945 hinaus fortzuführen.

Teilnahme nur nach bestätigter Anmeldung per E-Mail:
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Programm

Donnerstag, 20. Oktober 2016, 14.00-18.30 Uhr

Begrüßung und Einführung
Norbert Frei (Jena)

I. Bürger in der Krise. Hoffnungen und Befürchtungen 1930-1934

Leitung: Sybille Steinbacher (Wien)

Führer-Erwartungen im protestantischen Bürgertum
Manfred Gailus (Berlin)

Radikale Bürgerkinder und ihre Professoren
Kerstin Thieler (Göttingen)

Jüdisches Bürgertum in der Defensive
Mark Roseman (Bloomington)

Liberale zwischen Rückzug und Anpassung
Eric Kurlander (DeLand)

Kommentar: Thomas Großbölting (Münster)


Freitag, 21. Oktober 2016, 9.00-18.00 Uhr

II. Bürger in Braun. Selbstverwandlungen und Zumutungen 1934-1939

Leitung: Dietmar Süß (Augsburg)

Bürgertum, Volks- und Leistungsgemeinschaft
Peter Fritzsche (Urbana)

Bürgerliche Frauen und NS-Geschlechterpolitik
Franka Maubach (Jena)

Autarkie, Eigentum und Arisierung
Cornelia Rauh (Hannover)

Bürgertum, Rasse und Eugenik
Tobias Freimüller (Jena)

Erziehung und Entbürgerlichung
Helen Roche (Cambridge)

Kommentar: David Abraham (Miami)


III. Bürger im Krieg. Verlusterfahrungen und Beharrungskräfte 1939-1945

Leitung: Christina Morina (Amsterdam)

Soldatische Gewalt und bürgerliche Lebenswelt
Felix Römer (London)

Hochkultur im Krieg
Moritz Föllmer (Amsterdam)

Wie bürgerlich war der Widerstand?
Randall Hansen (Toronto)

Klassenjustiz und Heimatfront
Benjamin Lahusen (Berlin)

Kommentar: Ute Daniel (Braunschweig)


Samstag, 22. Oktober 2016, 9.00-13.00 Uhr


IV. Bürgertum danach. Selbst- und Umdeutungen nach der "deutschen Katastrophe"

Leitung: Norbert Frei (Jena)

Albert Vögler
Tim Schanetzky (Jena/Wien)

Inge Aicher-Scholl
Christine Friederich (Ulm)

Carlo Schmid
Kristina Meyer (Jena)

Martin Niemöller
Benjamin Ziemann (Sheffield)

Giselher Wirsing
Maik Tändler (Jena)


Abschlussdiskussion