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Rückblick


Sommersemester 2017



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Wintersemester 2016/2017


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Das Versagen des deutschen Bürgertums vor der Herausforderung des Nationalsozialismus scheint auf den ersten Blick evident. Auf den zweiten Blick ist die Diagnose weniger eindeutig - und legt die Frage nach bürgerlichen Beharrungskräften ebenso nahe wie die nach spezifischen Strategien der Aneignung und Umdeutung des nationalsozialistischen Projekts. Gefragt werden muss deshalb nach den Erwartungshorizonten bürgerlicher Milieus um 1930, nach Prozessen und Praktiken der Entbürgerlichung im "Dritten Reich", nach der Integration in eine antibürgerlich gedachte "Volksgemeinschaft". Zumal für die Kriegsjahre ist aber auch nach den Semantiken des Bürgerlichen und ihrer Veränderung zu fragen; nach bürgerlichen Räumen, Nischen und Gegenorten, schließlich nach bürgerlicher Opposition gegen das Regime.
Mit der Fokussierung auf Geschichte und Gestalt(wandel) bürgerlicher Milieus im "Dritten Reich" will das Symposion einen Anstoß geben, die vielfach noch immer 1933 endende historische Bürgertumsforschung in die NS-Zeit hinein zu verlängern und über die Zäsur von 1945 hinaus fortzuführen.

Teilnahme nur nach bestätigter Anmeldung per E-Mail:
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Programm

Donnerstag, 20. Oktober 2016, 14.00-18.30 Uhr

Begrüßung und Einführung
Norbert Frei (Jena)

I. Bürger in der Krise. Hoffnungen und Befürchtungen 1930-1934

Leitung: Sybille Steinbacher (Wien)

Führer-Erwartungen im protestantischen Bürgertum
Manfred Gailus (Berlin)

Radikale Bürgerkinder und ihre Professoren
Kerstin Thieler (Göttingen)

Jüdisches Bürgertum in der Defensive
Mark Roseman (Bloomington)

Liberale zwischen Rückzug und Anpassung
Eric Kurlander (DeLand)

Kommentar: Thomas Großbölting (Münster)


Freitag, 21. Oktober 2016, 9.00-18.00 Uhr

II. Bürger in Braun. Selbstverwandlungen und Zumutungen 1934-1939

Leitung: Dietmar Süß (Augsburg)

Bürgertum, Volks- und Leistungsgemeinschaft
Peter Fritzsche (Urbana)

Bürgerliche Frauen und NS-Geschlechterpolitik
Franka Maubach (Jena)

Autarkie, Eigentum und Arisierung
Cornelia Rauh (Hannover)

Bürgertum, Rasse und Eugenik
Tobias Freimüller (Jena)

Erziehung und Entbürgerlichung
Helen Roche (Cambridge)

Kommentar: David Abraham (Miami)


III. Bürger im Krieg. Verlusterfahrungen und Beharrungskräfte 1939-1945

Leitung: Christina Morina (Amsterdam)

Soldatische Gewalt und bürgerliche Lebenswelt
Felix Römer (London)

Hochkultur im Krieg
Moritz Föllmer (Amsterdam)

Wie bürgerlich war der Widerstand?
Randall Hansen (Toronto)

Klassenjustiz und Heimatfront
Benjamin Lahusen (Berlin)

Kommentar: Ute Daniel (Braunschweig)


Samstag, 22. Oktober 2016, 9.00-13.00 Uhr


IV. Bürgertum danach. Selbst- und Umdeutungen nach der "deutschen Katastrophe"

Leitung: Norbert Frei (Jena)

Albert Vögler
Tim Schanetzky (Jena/Wien)

Inge Aicher-Scholl
Christine Friederich (Ulm)

Carlo Schmid
Kristina Meyer (Jena)

Martin Niemöller
Benjamin Ziemann (Sheffield)

Giselher Wirsing
Maik Tändler (Jena)


Abschlussdiskussion




Sommersemester 2016


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Podiumsdiskussion aus Anlass des 10-jährigen Bestehens der Doktorandenschule des Jena Center Geschichte des 20. Jahrhunderts
mit Anne Giebel (Berlin/Warschau), Dr. Nora Hilgert (Frankfurt am Main), Ester Ava Höhle (Kassel), Prof. Dr. Walter Rosenthal (Jena) und Dr. Bernd Wagner (München).
Gesprächsleitung: Prof. Dr. Norbert Frei




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Wintersemester 2015/2016



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Im Wintersemester 2015/2016 ist Prof. Dr. Dagmar Herzog (New York) Gastprofessorin am Jena Center Geschichte des 20. Jahrhunderts.
Weitere Informationen finden Sie hier >.





Sommersemester 2015



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Wintersemester 2014/2015



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Im Wintersemester 2014/2015 ist Prof. Dr. Peter Romijn (Amsterdam) Gastprofessor am Jena Center Geschichte des 20. Jahrhunderts. Mehr Informationen über ihn finden Sie hier >.




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Wie der Kommunismus zählt auch der Antikommunismus zu den politisch-ideologischen Großphänomenen, die das 20. Jahrhundert prägten. Die Forschung hat bislang vor allem antikommunistische Organisationen in den Blick genommen, zumeist mit Fokus auf der Zwischenkriegszeit oder auf dem Kalten Krieg. Im Zentrum unseres Interesses steht nicht so sehr die Vielfalt antikommunistischer Zusammenschlüsse, sondern vielmehr die Frage, warum antikommunistische Ideologien und Ideologen über Jahrzehnte hinweg große Wirkungsmacht entfalten konnten.

Weshalb konnte der Antikommunismus in fast allen Teilen der Welt weit über den kleinen Kreis der "Hardliner" hinaus mobilisierend wirken? Wie wurde er zu einem gemeinsamen politischen Nenner für Parteien, Institutionen und Intellektuelle, die ansonsten uneins oder gar zerstritten waren? Worin lag die gesellschaftliche Bedeutung des Antikommunismus, was machte ihn anschlussfähig für so viele politische, soziale und kulturelle Grundfragen seiner Epoche?


>>> Teilnahme nur nach bestätigter Anmeldung per E-Mail >>>


Programmübersicht


Donnerstag, 13. November 2014
19.00 - 21.00 Uhr


Begrüßung
Norbert Frei (Jena)

Abendvortrag
Anselm Doering-Manteuffel (Tübingen)
Der Antikommunismus in seiner Epoche

im Anschluss Empfang


Freitag, 14. November 2014
9.00 - 18.00 Uhr


I      Antikommunismus im Entstehen

Robert Gerwarth (Dublin)
Antikommunismus in der Weimarer Republik

Grzegorz Krzywiec (Warschau)
Antikommunismus und Antisemitismus in Polen nach 1918

Attila Pók (Budapest)
Antikommunismus in Miklós Horthys Ungarn

Christian Uhl (Gent)
Antikommunismus im japanischen Kaiserreich

Kommentar: Christina Morina (Jena / Amsterdam)


II     Antikommunismus als Weltanschauung

Michael Wildt (Berlin)
Antikommunismus - Antisemitismus - Nationalsozialismus

Anson Rabinbach (Princeton)
Antikommunismus als Antitotalitarismus

Siegfried Weichlein (Fribourg)
Katholizismus und Antikommunismus

Iris Schröder (Erfurt)
Internationale Organisationen und Antikommunismus

Kommentar: Jens Hacke (Hamburg)


III    Antikommunismus als regierende Partei

Stefanie Schüler-Springorum (Berlin)
Antikommunismus unter Franco

Amedeo Osti Guerrazzi (Rom)
Antikommunismus im italienischen Faschismus

Axel Schildt (Hamburg)
Antikommunismus von Hitler zu Adenauer

Jörg Nagler (Jena)
Antikommunismus von der ersten Red Scare zu McCarthy

Kommentar; Julia Eichenberg (Berlin)


Samstag, 15. November 2014

9.00 - 13.00 Uhr


IV     Antikommunismus am Ende?

Dominik Rigoll (Jena / Princeton)
Anti-Antikommunismus in Frankreich und Westdeutschland

Michal Kopecek (Prag)
Dissidenz und Antikommunismus

Thomas A. Schwartz (Nashville)
Antikommunismus in der Reagan-Ära

Krzysztof Ruchniewicz (Wrocław)
Antikommunismus in Polen in den achtziger Jahren

Kommentar: Agnes Arndt (Berlin)


V     Abschlussdiskussion: Was ist Antikommunismus?

Włodzimierz Borodziej (Warschau / Jena), Gerd Koenen (Frankfurt am Main), Annette Leo (Berlin), Albrecht von Lucke (Berlin)

Gesprächsleitung: Joachim von Puttkamer (Jena)




Sommersemester 2014


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Wintersemester 2013/2014


Punishing War Crimes after World War II

A Comparative Perspective

Workshop, January 7-8, 2014, Rosensäle, Fürstengraben 27, Jena


Tuesday, January 7, 2014

2.00 - 6.00 p.m.

I Nuremberg and Tokyo

Kensuke Shiba (Tokyo): Leipzig, Yamashita and the Nuremberg Military Tribunals. A Historical Comparison
Hirofumi Hayashi (Tokyo): The Tokyo War Crimes Trial and Minor War Crimes Trials of Japanese from the Viewpoint of Minor War Crimes
Axel Fischer (Marburg): The Nuremberg Trial Film Project. Promoting International Criminal Law

II Other War Crimes Trials in Europe and Asia

Toshiya Iko (Tsuru): Japanese War Crimes and War Crimes Trials in China
Hitoshi Nagai (Hiroshima): Establishing Prestige as a New Born Nation: The Philippine War Crimes Trials and their Aftermath, 1947-1953
Aiko Utsumi (Osaka): The Treatment of POWs and Civil Internees during the Pacific War, 1941-1945


Wednesday, January 8, 2014

9.00 - 12.00 a.m.

III Towards an International Criminal Court

Miwako Fukunaga (Tokyo): Prosecuting Nazi Crimes in Postwar Germany. Legal and Political Problems
Annette Weinke (Jena): A not-so-gentle Civilizer. Germany and International (Criminal) Law after 1945
Wolfgang Form (Marburg): Transitional Justice in Cambodia. The Khmer Rouge Tribunal
Daniel Stahl (Jena): A useful Biography. Benjamin Ferencz and the Founding of the ICC
André Hertrich (Halle): Musealizing Nuremberg and Tokyo - Remembering the Trials at their Historical Sites



International Affairs and the Politics of Memory
German-Jewish-Israeli Relations after the Holocaust 

January 12-14, 2014, Bucerius Institute for Research of Contemporary German History and Society, University of Haifa, Israel

From January 12-14, 2014, the Bucerius Institute for Research of Contemporary German History and Society of the University of Haifa, the Jena Center Geschichte des 20. Jahrhunderts, and the Haifa Center for German and European Studies will hold an international conference on "International Affairs and the Politics of Memory: German-Jewish-Israeli Relations after the Holocaust". This event is convened by Dr. Amos Morris-Reich (Haifa), Dr. Jacob S. Eder (Jena) and Hubert Leber, M.A. (Marburg/Haifa) and is dedicated to Prof. Dres. h.c. Manfred Lahnstein, chairman of the Board of Trustees of the Zeit-Stiftung and former chairman of the Board of Governors, University of Haifa. Scholars from Germany, Israel, Great Britain and the USA will form eight thematic panels, to present their research on various aspects of German-Jewish-Israeli relations since 1945. The keynote lecture will be delivered by Prof. Dr. Dan Diner (Jerusalem/Leipzig).

The convenors intend for this event to engage with important historiographical and methodological debates, and to aim at a broad analysis of German-Jewish-Israeli relations that integrates the dynamics of international politics as well as the history of Holocaust memory. In doing so, the conference aspires to forge a new approach to the study of this subject, combining perspectives of political, diplomatic, transnational history, and memory studies. Relations between the Federal Republic of Germany and Israel will form a key focus of this conference, complemented by an exploration into East Germany's relationship with Israel, as well as West Germany's relations with Jewish diaspora communities.

In addition to providing a comprehensive account of German-Jewish-Israeli relations based on representative case studies, this conference will make a number of significant methodological contributions to the fields of modern political history and the "new" diplomatic/international history. It will link the history of international relations with that of memory and employ a broad, inclusive definition of "politics" that transcends a strictly government-centered perspective, within domestic as well as foreign policy structures. Paying specific attention to intergovernmental relations in this context, the presentations also explore the role of non-governmental organizations and actors as well as their respective influences on government politics. These include political foundations, NGOs, and other actors within civil society. Thus, the conference aims to shed new light on the truly intertwined history of German-Jewish-Israeli relations after the Holocaust.


Conference Program:


Sunday, January 12, 2014

18.00
Reception

18.30
Welcome and Introduction to the Conference
Amos Morris-Reich, University of Haifa
Jacob S. Eder, Friedrich Schiller University Jena

19.00
Keynote Address
Dan Diner, The Hebrew University of Jerusalem:
Language and Belonging: The German-Israeli Encounter in Luxembourg, 1952


Monday, January 13, 2014

9.00
Panel 1: Between Governments and Societies

Fania Oz-Salzberger, University of Haifa:
Israel and Germany: Reconciliation, "Normalization", and Universal Lessons

Lily Gardner Feldman, Johns Hopkins University:
Special Relationship, Reconciliation, Friendship, or Alliance? The Role of Memory and Interests in the German-Israeli Partnership

Katharina Konarek, University of Haifa/University of the Bundeswehr Munich:
Political Foundations and their Influence on German Foreign Policy: The Case of Israel and the Palestinian Territories, 2000-2010

10.45 Coffee Break

11.15
Panel 2: The Early Decades

Shlomo Aronson, The Hebrew University of Jerusalem:
David Ben-Gurion and the Federal Republic: The Domestic Israeli Scene

Jenny Hestermann, Technical University of Berlin:
Politics of Scandal? Konrad Adenauer's Visit to Israel in 1966 and His Clash with Levi Eshkol

Kristina Meyer, Friedrich Schiller University Jena:
The SPD, the Jews, and the State of Israel, 1945-1970

13.00 Lunch Break

14.30
Panel 3: Diaspora I - American Jewry

Zohar Segev, University of Haifa:
Remembering and Rebuilding: American Jewry, Europe, and Germany in the 1940s and 1950s

Jacob S. Eder, Friedrich Schiller University Jena:
Cold War Diplomacy and Holocaust Memory: West German-American Jewish Relations in the 1980s

15.45 Coffee Break

16.15
Panel 4: Diaspora II - German Jewry

Constantin Goschler, Ruhr University Bochum:
The Securitization of German-Jewish-Israeli Relations in Postwar Germany

Tobias Freimüller, Friedrich Schiller University Jena:
Migration, Memory, and New Beginnings: The Postwar Jewish Community in Frankfurt am Main

18.00 Reception

19.00
Germany, Israel, and Global Affairs: A Personal Perspective
Manfred Lahnstein in Conversation with Fania Oz-Salzberger


Tuesday, January 14

9.00
Panel 5: Germany, Israel, and the Arab World

Carole Fink, Ohio State University:
"The Most Difficult Journey of All": Willy Brandt's Trip to Israel in June 1973

Hubert Leber, Philipps University of Marburg/University of Haifa:
"The Leopard that Forgot the Holocaust"? Israel, West Germany's Arms Export Policy, and the Saudi Tank Deal Debate in 1981/82

Jan Busse, German Institute for International and Security Affairs, Berlin:
Between Historical Responsibility and Two-State Solution: Politics of Memory and the German Foreign Policy towards the Middle East Conflict, 1998-2009

10.45 Coffee Break

11.15
Panel 6: East Germany and Israel

Lorena De Vita, Aberystwyth University:
The Mistake of Dr. Seydewitz: Reflections on the East and West German Foreign Policies towards Israel in the Long 1950s

Jeffrey Herf, University of Maryland:
East Germans at War with Israel during the Cold War

Angelika Timm, Rosa Luxemburg Foundation Tel Aviv:
The "Third Third": The Approach of the East German Political Elites to Jewish and Israeli Claims

13.00 Lunch Break

14.30
Panel 7: Academic Relations I

Amos Morris-Reich, University of Haifa:
The "First Letters" of Jacob Wahrman in Historical Perspective

Dani Schrire, The Hebrew University of Jerusalem:
Tangled Narratives: German-Israeli Folklore Research, 1955-1970

15.45 Coffee Break

16.15
Panel 8: Academic Relations II

Ute Deichmann, Ben-Gurion University of the Negev:
The Difficult Beginnings of Israeli-German Collaboration in the Sciences: Scientific Motivations and Political Agendas

Sharon Livne, University of Haifa:
Initial Contacts in the Scientific Relations between Israel and Germany (1945-1965)

17.30
Closing Remarks
Hubert Leber
, Philipps University of Marburg/University of Haifa





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Sommersemester 2013






















 




























 

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Holocaust memory undoubtedly constitutes a central component of historical consciousness and political culture in unified Germany, Israel, and the United States. Yet can we make the same claim about other parts of the world? The study group "Global Holocaust? Memories of the Destruction of European Jews in Global Context" (Augsburg University, University of Vermont, University of Haifa, Jena Center) has been exploring this and related questions since 2011. Two past conferences have focused, for example, on the development of Holocaust memory in Israel, Eastern Europe, and Asia, as well as on its impact on international relations. The third and final event, a symposium at the Jena Center, will now explore how ethnic minorities and immigrants have engaged with the development of Holocaust memory in a variety of national and regional contexts in Western societies. We will ask, for example, how minority groups with their own experience of violence and/or persecution have responded to manifestations of Holocaust memory. Beyond exploring Western memorial cultures in a transnational context, we will investigate the implications of demographic change for Holocaust memory. How have immigrants engaged with the crucial role that Holocaust history plays in Western political culture, the media, and educational systems? We will thus seek to locate and discuss contradictions within, and challenges to, a development that scholars have come to refer to as the "globalization" or "universalization" of Holocaust memory.

The symposium will be co-sponsored by the Miller Center for Holocaust Studies at the University of Vermont, Augsburg University, the Stiftung Deutsch-Amerikanische Wissenschaftsbeziehungen, and the research Network EURHISTXX.


Conference Program


Thursday, July 11, 2013
6:30 p.m. - 9:00 p.m.

Welcome
Norbert Frei (Jena)

Greetings
Klaus Dicke (Rector, Friedrich-Schiller-Universität Jena)

Opening Lecture
Jacob S. Eder (Jena) | Ethnic Minorities and Holocaust Memory: Perspectives, Dimensions, Questions


Friday, July 12, 2013
9:00 a.m. - 6:00 p.m.

I Germany and Austria
Chair: Kristina Meyer (Jena)

Angela Kühner (Frankfurt am Main) | Immigrants and Immigration in German Holocaust Educational Discourse

Yasemin Yildiz (Urbana, IL) | Turkish Germans and Holocaust Memory

Birgit Schwelling (Konstanz) | German "Kriegsheimkehrer" and Holocaust Memory

Oliver Rathkolb (Wien) | Holocaust Perceptions of Young Immigrants in Austria

Comment: Philipp Gassert (Augsburg)


II Western Europe
Chair: Annette Weinke (Jena)

Annemarike Stremmelaar (Amsterdam) | Turkish and Dutch Memorial Cultures in Contact

Tony Kushner (Southampton) | Situating Racism between the Post-Colonial and the Holocaust in Britain

N.N. | French Muslim Communities and Shoah Memory

Arnd Bauerkämper (Berlin) | Holocaust Memory and the Experiences of Migrants in Europe after 1945

Comment: Alan E. Steinweis (Burlington, VT)


Saturday, July 13, 2013
9:00 a.m. - 2:00 p.m.

III The Americas and South Africa
Chair: Susanna Schrafstetter (Burlington, VT)

Clarence Taylor (New York, NY) | African American Memories of the Holocaust

Donald Fixico (Phoenix, AZ) | The Jewish Holocaust and the Indian Experience in the U.S.

Shirli Gilbert (Southampton) | Holocaust Memory in Post-Apartheid South Africa

Daniel Stahl (Jena) | Jewish Discourses about the Crimes of the Argentinian Junta

Comment: Atina Grossmann (New York, NY)


Final Comments and Conference Closure 


 

 



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Die britische Zeithistorikerin Prof. Dr. Mary Fulbrook vom University College London ist im Sommersemester 2013 Gastprofessorin am Jena Center Geschichte des 20. Jahrhunderts. Am 24. April hält sie einen öffentlichen Vortrag zum Thema Die DDR und der Nationalsozialismus. Historische Erfahrung und kollektives Gedächtnis in den Rosensälen; über ihr neuestes Buch A Small Town near Auschwitz. Ordinary Nazis and the Holocaust spricht sie am 12. Juni im Zeitgeschichtlichen Kolloquium.
Weitere Informationen über Mary Fulbrook finden Sie
hier >.

 


Wintersemester 2012/2013

 

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Es gab, schrieb der Historiker Karl-Dietrich Erdmann, Zeiten im Kalten Krieg, da wurde "die Geschichte mit solcher Erbitterung in den ideologischen Kampf hineingezogen, dass ein gemeinsamer Boden für wissenschaftliche Kooperation oder gar Verständigung" nicht vorhanden war. Gleichwohl blieben die Historiker hüben und drüben, selbst die gegenwartsnahen Zeithistoriker und deren historiografische Arbeiten, stets aufeinander bezogen − nicht zuletzt, weil sich die meisten von ihnen auf je eigene Weise der gemeinsamen Geschichte und Nation verpflichtet fühlten. Was sie zudem einte − und dabei ganz unfreiwillig miteinander verband − war die eigene Zeitgebundenheit, die geteilte Erfahrung im totalitären Zeitalter, dem Zeitalter der Weltkriege, der politischen Polarisierung, des Massenmordens und Massensterbens, der totalen Niederlage sowie schließlich der Spaltung Deutschlands in eine liberale Demokratie und eine erneute Diktatur.
Wie Zeithistoriker im geteilten Deutschland die deutsche Geschichte seit dem Ersten Weltkrieg erforschten und damit das deutsche 20. Jahrhundert insgesamt erzählten, ist das Thema dieses Symposions. Dabei liegt der Fokus einerseits auf den Resonanzen und Beziehungen innerhalb der gespaltenen Ökumene. Dies schließt nicht nur die bisher wenig erforschten ost-westdeutschen (Streit-)Gespräche und Werkrezeptionen, sondern auch die oft monologartigen Abgrenzungsdiskurse, das Marginalisieren, Beschweigen und Blockieren von Themen, Werken und Debatten ein. Anderseits ergründen die Beiträge zum Symposion, welche teils verschiedenen, teils vergleichbaren biografischen, wissenschaftlichen und politischen Kontexte die Beschäftigung mit Geschichte im Zeitalter des Kalten Krieges prägten. Auf diese Weise soll die Geschichte der Zeitgeschichtsforschung jenseits des eingefahrenen Bilanzierungsdiskurses erstmals als ein Kapitel der integrierten deutschen Nachkriegsgeschichte erzählt werden.


Programmübersicht


Donnerstag, 17. Januar 2013
14.30-18.00 Uhr

Begrüßung
Norbert Frei (Jena)

Thematische Einführung
Franka Maubach (Jena), Christina Morina (Jena / Amsterdam)

Eröffnungsvortrag
Stefan Berger (Bochum)
Die Suche nach der Geschichte in extremen Zeiten. Erfahrung und historische Deutung(en) im geteilten Deutschland


I Der Historiker als Zeitzeuge
Zum Zusammenhang von Zeiterfahrung und Zeiterforschung in der deutschen Geschichtsschreibung nach 1945
Moderation: Norbert Frei (Jena)

Matthew Stibbe (Sheffield)
The First World War as Realm of Experience and Explanandum in the Historiographies of the two Germanys after 1945

Franka Maubach (Jena)
"Wie es dazu kommen konnte...". Fragen nach dem deutschen Irr- und Sonderweg in Ost und West


Freitag, 18. Januar 2013
9.30-22.00 Uhr

II Von Opfern und Tätern, Siegern und Besiegten
Vernichtungskrieg und Holocaust in der Geschichtsschreibung nach 1945
Moderation: Jörg Ganzenmüller (Jena)

Christina Morina (Jena / Amsterdam)
Agitatio vs. Contemplatio? Der Weltkrieg in der deutsch-deutschen Historikerkonkurrenz

Nicolas Berg (Leipzig)
Erfahrung - Zeugnis - Wissenschaft. Holocaustdeutung in der Wissenschaft von DDR und Bundesrepublik


III Auf den Schlachtfeldern des Kalten Krieges
Die Teilung begründen, das Ende erklären
Moderation: Silke Satjukow (Magdeburg)

Christoph Kleßmann (Potsdam)
Über die Teilung der Nation und die (Un-)Möglichkeiten deutsch-deutscher Zeithistorikergespräche zwischen 1949 und 1989

Marion Detjen (Berlin)
Der Mauerbau und die ost- und westdeutsche DDR-Erforschung

Krijn Thijs (Amsterdam)
Revolution und Neubegegnung. Deutsche Historiker in den Jahren 1989 und 1990


Gesprächsabend: Über Ende und Anfang
Narrative und Deutungen nach 1989/90
Krijn Thijs (Amsterdam) im Gespräch mit Ilko-Sascha Kowalczuk (Berlin)


Samstag, 19. Januar 2013
9.30-14.00 Uhr

Zeitgeschichte als deutsch-deutsche Streitgeschichte
Franka Maubach und Christina Morina im Gespräch mit Helga Grebing (Berlin), Manfred Weißbecker (Jena) und Wolfgang Schieder (Göttingen)

Abschlussdiskussion
Martin Sabrow (Berlin), Matthias Middell (Leipzig), Georg G. Iggers (Buffalo), Lutz Niethammer (Jena)
Gesprächsleitung: Tobias Kaiser (Berlin)


Tagungsbericht von Edgar Liebmann bei H-Soz-u-Kult >

 



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Prof. Dr. Dr. hc. mult. Michael Stolleis vom Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte in Frankfurt am Main hat im Wintersemester 2012/2013 die Gastprofessur am Jena Center inne und hält am Montag, den 22. Oktober um 18 Uhr c.t. einen öffentlichen Vortrag zum Thema "Rechtsstaat und Staatsunrecht im 20. Jahrhundert" in den Rosensälen der Friedrich-Schiller-Universität.
Weitere Informationen über Michael Stolleis finden Sie hier > .

 

 

Humanitarianism in Times of War
1914-2012

International Conference
11-13 October 2012
Gießen, Alexander von Humboldt-Haus

Eine Kooperationsveranstaltung der Justus-Liebig-Universität Gießen und des Jena Center Geschichte des 20. Jahrhunderts, mit Unterstützung der Fritz-Thyssen-Stiftung, organisiert von PD Dr. Daniel R. Maul (Gießen) und PD Dr. Dietmar Süß (Jena)

Das Konferenzprogramm und weitere Informationen finden Sie hier >.

 


Sommersemester 2012

 

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Konsensgesellschaften in der Krise
Großbritannien und die Bundesrepublik seit den 1970er Jahren

Workshop, 9./10. Juli 2012, Kooperationsveranstaltung mit dem Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam
Tagungsort: Friedrich-Schiller-Universität Jena, Carl-Zeiss-Str. 3, Seminarraum 309
Tagungsorganisation: Dietmar Süß (Jena), Winfried Süß (Potsdam / Göttingen)

Der Workshop führt aktuelle Forschungen jüngerer Wissenschaftler zur deutsch-britischen Geschichte im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts zusammen. Im Mittelpunkt steht die Frage nach dem Zäsurcharakter der Epoche "nach dem Boom" - und damit die Transformation zweier Industriegesellschaften, für die die Boomjahre nach dem Zweiten Weltkrieg in besonderer Weise prägend waren. Welche Chancen und Grenzen hat der Vergleich - und was waren die unterschiedlichen Vorerfahrungen, auf deren Grundlage die beiden Gesellschaften auf wachsende Arbeitslosigkeit und zunehmende wohlfahrtsstaatliche Legitimationsdefizite reagierten?


Programmübersicht

Montag, 9. Juli 2012

ab 13.00 Uhr Kaffee

14.00 Uhr
Einführung
Dietmar Süß (Jena) und Winfried Süß (Potsdam / Göttingen)

14.15-16.00 Uhr
Martina Steeber (München)
Sprechen in Europa. Die Kooperation von CDU/CSU und Conservative Party in den 1960er und 1970er Jahren und die Suche nach einer gemeinsamen Sprache

Jenny Pleinen (Trier)
Vorstellungen sozialer Gerechtigkeit

Kommentar: Rüdiger Graf (Bochum)

Moderation: Julia Angster (Kassel)

16.30-19.00 Uhr

Wiebke Wiede (Trier)
Das arbeitslose Subjekt. Berufsberatung in der Bundesrepublik und in Großbritannien 1964-1990

Arne Hordt (Tübingen)
Aufruhr in der Montanregion? - Nordostengland und das Ruhrgebiet in den 1980er Jahren

Kommentar: Kim Priemel (Berlin)

Moderation: Frank Bösch (Potsdam)

Dienstag, 10. Juli 2012

9.00-10.30 Uhr

Achim Saupe (Potsdam)
"Innere Sicherheit" und "law and order". Die politische Semantik von Sicherheit und Ordnung in der Bundesrepublik Deutschland und in Großbritannien 1964-2001

Klaus Weinhauer (Bielefeld / Berlin)
Zwischen urbaner Krise und urbanisierter Gesellschaft? Urbane Gewaltkulturen in Amsterdam, Hamburg und Liverpool der 1970/80er Jahre in transnationaler und vergleichender Perspektive

Kommentar: Jörg Arnold (Freiburg)

Moderation: Elke Seefried (München)

10.30-11.00 Uhr Pause

11.00-13.30 Uhr

Klaus Nathaus (Bielefeld)
Vom Mainstream zum Mainstream der Minderheiten. Popmusikalischer Repertoirewandel und soziale Differenzierung in Westdeutschland und Großbritannien in den 1970/80er Jahren

Fernando Esposito (Tübingen)
Die Dekolonialisierung der Zukunft. Pop, Punk und eine alternative chronopolitische Ordnung

Kommentar: Marcel vom Lehn (Jena)

Moderation: Kerstin Brückweh (London)

Abschlussdiskussion/Bilanz
Moderation: Dietmar Süß / Winfried Süß

13.30-14.30 Uhr Mittagsimbiss

Kontakt:
PD Dr. Dietmar Süß
Friedrich Schiller Universität Jena
Historisches Institut
Fürstengraben 13
07743 Jena

PD Dr. Winfried Süß
Zentrum für Zeithistorische Forschung
Am neuen Markt 1
14467 Potsdam

 

 

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Eine Veranstaltung des Jena Center Geschichte des 20. Jahrhunderts in Kooperation mit dem Imre Kertész Kolleg Jena.

Ausführliche Informationen und das Programm finden Sie hier >.
Ein Interview des Wissenschaftsportals L.I.S.A. mit Dr. Annette Weinke können Sie hier nachhören >.
Pressereaktionen können Sie hier nachlesen >.

 

 

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Prof. Dr. Volker Berghahn von der Columbia University in New York City und im Sommersemester 2012 Gastprofessor am Jena Center Geschichte des 20. Jahrhunderts, hält am Montag, den 7. Mai 2012 um 20 Uhr c.t. einen öffentlichen Vortrag zum Thema Soziale Marktwirtschaft und amerikanischer Kapitalismus in den Rosensälen der Friedrich-Schiller-Universität.
Weitere Informationen über Volker Berghahn finden Sie hier >.

 

 

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Zum Abschluss des Zeitgeschichtlichen Kolloquiums im Wintersemester 2011/12 spricht Prof. Sir Ian Kershaw am 1. Februar 2012 über sein neues Buch Das Ende. Kampf bis in den Untergang - NS-Deutschland 1944/45, das im November bei der Deutschen Verlags-Anstalt erschienen ist.
Mittwoch, 1. Februar 2012, 18 Uhr c.t., Rosensäle (großer Sitzungssaal), Fürstengraben 27

 

 

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Am 9. November wird im Zeitgeschichtlichen Kolloquium der Dokumentarfilm Brigadistas (D 2007) gezeigt, für den der Filmemacher Daniel Burkholz die letzten überlebenden Mitglieder der Internationalen Brigaden zurück an die Schauplätze ihres Kampfes im spanischen Bürgerkrieg begleitete. Im Anschluss an den Film diskutiert Louisa Reichstetter, M.A mit Prof. Dr. Martin Baumeister (München) und
Dr. Hedwig Herold-Schmidt (Jena).
Mittwoch, 9. November 2011, 18 Uhr c.t., Rosensäle (kleiner Sitzungssaal), Fürstengraben 27

 

 

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Zum Auftakt des Zeitgeschichtlichen Kolloquiums im Wintersemester 2011/2012 spricht Dr. Gunter Hofmann, langjähriger Chefkorrespondent der ZEIT in Berlin, mit Prof. Dr. Włodzimierz Borodziej unter dem Motto "Die Gemeinsamkeit, die erst zu entdecken ist. Die polnisch-deutsche Nachbarschaft im Vorfeld der europäischen Revolution 1989" über sein neues Buch zu diesem Thema, das im Juni 2011 bei Suhrkamp erschienen ist.
Das Jena Center Geschichte des 20. Jahrhunderts veranstaltet die Buchpräsentation in Kooperation mit dem Imre Kertész Kolleg Jena und der Landeszentrale für politische Bildung in Thüringen. 
Montag. 24. Oktober 2011, 18 Uhr c.t., Vortragsraum der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek, Jena.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 









 

 

 

 


 

 

 

 

 

Sommersemester 2011 


Intellektuelle in der Bundesrepublik Deutschland
Verschiebungen im politischen Feld der 60er und 70er Jahre

Interdisziplinäre Tagung an der Friedrich-Schiller-Universität Jena
29./30. September 2011
Senatssaal im Universitätshauptgebäude

Die Rolle, die öffentliche Intellektuelle in der Bundesrepublik Deutschland gespielt haben, ist im Gegensatz zu Vergleichsfällen wie Frankreich, Italien oder inzwischen selbst Großbritannien immer noch wenig erforscht. Die zeitgeschichtliche und soziologische Forschung sind nach wie vor auf Studien zu Spezialthemen, Biographien und Überblicke verwiesen. Was fehlt, sind dagegen theoretische Analysen und theoriegeleitete Vergleiche von Rollenmustern, organisatorischen Strukturen, diskursiven Vernetzungen und der funktionalen Einbettung des Handelns von Intellektuellen. Die Tagung soll in diesem Sinne neue Perspektiven der Intellektuellenforschung eröffnen. Sie konzentriert sich auf die politisch-soziale Umbruchszeit der 1960er und 1970er Jahre. Die Intellektuellen in der Bundesrepublik werden dabei nicht als exponierte Einzelakteure begriffen, sondern in ihren gesellschaftlichen Kontexten und in ihrem kollektiven Handeln untersucht.

Organisation: Prof. Dr. Thomas Kroll (Historisches Institut) und
Jun.Prof. Dr. Tilman Reitz (Institut für Soziologie/Laboratorium Aufklärung)

Das Programm und alle weiteren Informationen finden Sie hier >.

 

 

Weimar Summer School 2011
Weimar as Space of Memory, Myth and Historical Consciousness
13. bis 22. Juli 2011

Zum zweiten Mal bot die Weimar Summer School je sieben Studierenden aus Jena und Tel Aviv im Juli 2011 die Chance auf wissenschaftliche Qualifikation in einer internationalen Diskussions- und Forschungsgruppe. Die Teilnehmer/innen beschäftigten sich mit Fragen der individuellen und öffentlichen Vergegenwärtigung von Geschichte, vor allem des 20. Jahrhunderts.
Wie und warum haben sich die Deutungen der Stadtgeschichte Weimars gewandelt, welche Interessen und Haltungen waren für solche neuen Selbstentwürfe maßgeblich? Welche gesellschaftlichen Konflikte um Deutungshoheiten waren damit verbunden? Was hat Mythisierungen, aber auch Selbstreflexion befördert? Vermittels Archivrecherchen und durch Gespräche mit Beteiligten untersuchten die Studierenden, wie die Bürger Weimars den Auf- und Umbruch von 1989/90 dazu nutzten, ihre Sichten auf die Geschichte der Stadt in einer demokratischen Umgebung neu zu justieren - bis hin zum Kulturstadtjahr Weimar 1999.

Programm als pdf >

 

 

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Geschichtsschreibung ist Erzählung, und Erzählungen sind sprachliche Kunstprodukte - mögen sie sich auch auf reale Personen und Ereignisse beziehen. Deshalb erfindet, wer Geschichte schreibt. Mit diesem verblüffend einfachen Argument fordert Hayden White die Geschichtswissenschaft noch immer heraus. Sein Klassiker Metahistory (1973) hat im Laufe der Jahre viel Furore gemacht, wurde aber nur selten mit Blick auf die historiographische Praxis diskutiert. Der vielleicht ertragreichste Dialog fand 1990 in den USA statt, als Saul Friedländer nach Los Angeles einlud, um mit White und anderen Experten die Grenzen der Geschichtsschreibung auszuloten.

Die damaligen Diskussionen haben in beider Werk deutliche Spuren hinterlassen, besonders aber in Friedländers Opus magnum Das Dritte Reich und die Juden (1998/2006). Auf dem Alten Schloß Dornburg ist nun Gelegenheit, den interdisziplinären geschichtstheoretischen Dialog von vor zwei Jahrzehnten fortzusetzen: durch vergleichende aktuelle Textanalysen, in die auch Christopher Brownings eminente Beiträge zur Historiographie über den Holocaust einbezogen werden.

 

Pressestimmen und Tagungsbericht

Oliver Jungen
Ende eines gelehrten Ausnahmezustands
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.6.2011

Stefan Reinecke
Poetik der Fassungslosigkeit
die tageszeitung, 14.6.2011

Wulf Kansteiner im Gespräch
"Skepsis eher in Widerstand umsetzen"
Deutschlandradio Kultur, 10.6.2011

Ulrike Vordermark
Tagungsbericht
H-Germanistik, 19.9.2011

 

Programmübersicht


Donnerstag, 9. Juni 2011
17.30-19.00 Uhr

Begrüßung
Norbert Frei (Jena)

Eröffnungsvortrag
Wulf Kansteiner (Binghamton)
Gefühlte Wahrheit und ästhetischer Relativismus
Über die Annäherung von Holocaust-Geschichtsschreibung und postmoderner Geschichtstheorie


Freitag, 10. Juni 2011
9.30-13.00 Uhr

Grußwort des Stellvertretenden Ministerpräsidenten und Thüringer Ministers für Bildung, Wissenschaft und Kultur
Christoph Matschie

Vortrag
Hayden White (Santa Cruz)
über Nazi Germany and the Jews: The Years of Extermination

Antwort
Saul Friedländer (Los Angeles)

Diskussion
Hayden White (Santa Cruz), Saul Friedländer (Los Angeles), Dan Diner (Jerusalem/Leipzig), Wolf Schmid (Hamburg), Chris Lorenz (Amsterdam), Bernd Weisbrod (Göttingen)

Leitung
Christina Morina (Amsterdam/Jena)

15.00 bis 18.30 Uhr

Vortrag
Daniel Fulda (Halle)
über Ordinary Men und Remembering Survival

Antwort
Christopher Browning (Chapel Hill)

Diskussion
Daniel Fulda (Halle), Christopher Browning (Chapel Hill), Matías Martínez (Wuppertal), Gabriele Rosenthal (Göttingen), Sybille Steinbacher (Wien), Raphael Gross (Frankfurt/Main)

Leitung
Dietmar Süß (Jena)


Samstag, 11. Juni 2011
9.30-13.00 Uhr

Podiumsdiskussion
Der Beruf der Geschichtstheorie und die Zukunft der Zeitgeschichte
Birgit Neumann (Passau), Wulf Kansteiner (Binghamton), Volkhard Knigge (Jena), Birthe Kundrus (Hamburg), Jörn Rüsen (Essen), Harald Welzer (Essen)

Einführung und Leitung
Norbert Frei (Jena)

Schlussworte
Christopher Browning (Chapel Hill), Daniel Fulda (Halle), Hayden White (Santa Cruz), Saul Friedländer (Los Angeles)


Pressestimmen:


Oliver Jungen
Ende eines gelehrten Ausnahmezustands
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.6.2011

Stefan Reinecke
Poetik der Fassungslosigkeit
die tageszeitung, 14.6.2011

Wulf Kansteiner im Gespräch
"Skepsis eher in Widerstand umsetzen"
Deutschlandradio Kultur, 10.6.2011

 

 

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Wintersemester 2010/2011


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Mit den Aus- und Nachwirkungen der Finanzkrise von 2008/09 hat die Frage nach einer "Rückkehr des Staates" beinahe über Nacht wieder Bedeutung gewonnen. "Privatisierung" und "Flexibilisierung" gelten nicht mehr uneingeschränkt als ökonomische Erfolgsrezepte, sondern werden nun selbst historisiert. Unsere Tagung will dazu einen Beitrag leisten.

Als Reaktion auf die seit den 1970er Jahren vielfach diagnostizierte "Wachstumsschwäche" und die "Krise des Wohlfahrtsstaates" gehörten "Privatisierung" und "Flexibilisierung" - in national sehr unterschiedlichen Ausprägungen - zu zentralen Bestandteilen der Vorstellung von einem "schlanken Staat". Ziel waren die Deregulierung der Arbeitsbeziehungen,
die Privatisierung sozialer Sicherungssysteme und ein drastischer Rückschnitt staatlichen Handelns. Seit 1989 wurde dann vor allem Osteuropa zu einem umfassenden Experimentierfeld dieser Ideen.

"Privatisierung" beschreibt aber nicht nur ein neues Verständnis von Staat und Wirtschaft. In der Debatte darüber spiegeln sich auch wichtige gesellschaftsgeschichtliche Veränderungen, so die Propagierung eines individualistischen "Rückzugs ins Private", die nachlassende Bindekraft religiöser Institutionen oder der Diskurs über die ethischen
Maßstäbe politischen Handelns.

Die Tagung nimmt unterschiedliche Formen und Konzepte von "Privatisierung" im angloamerikanischen Raum und in Kontinentaleuropa in den Blick. Aber es soll auch um die Frage gehen, wie diese "westlichen" Debatten die Transformation im postkommunistischen Osteuropa beeinflussten und welche Wechselwirkungen sich dabei ergaben.


Programmübersicht

Donnerstag, 9. Dezember 2010
18.00-21.00 Uhr

Begrüßung
Norbert Frei (Jena)

Abendvortrag
Dietmar Süß (Jena)
Idee und Praxis der Privatisierung in Europa

Empfang


Freitag, 10. Dezember 2010
9.00-13.00 und 15.00-19.00 Uhr

Erste Sektion: Idee und Ideologie der Privatisierung
Moderation: Tim Schanetzky (Jena)

Dominik Geppert (Bonn)
Thatcher und die "Englische Krankheit"

Lloyd Ambrosius (Lincoln)
The Reagan Revolution

Kommentar: Martin H. Geyer (München)

Hervé Joly (Paris)
Erst verstaatlicht, dann privatisiert
Das Beispiel Frankreich

Hans Günter Hockerts (München)
Vom Wohlfahrtsstaat zum Wohlfahrtsmarkt?
Privatisierungstendenzen im deutschen Sozialstaat

Kommentar: Stephan Lessenich (Jena)


Zweite Sektion: Praxis der Privatisierung / West
Moderation:
Thomas Kroll (Jena)

Frank Bösch (Gießen)
Kampf dem "Rotfunk"
Die Privatisierung von Rundfunk und Fernsehen

Karl Lauschke (Dortmund)
Staatliche Selbstentmachtung
Die Privatisierung von Post und Bahn

Kommentar: Axel Schildt (Hamburg)

Detlef Siegfried (Kopenhagen)
Linke Gefühle
Subjektkonstruktionen im alternativen Milieu

Hubert Knoblauch (Berlin)
Der Markt der Religion und die populäre Spiritualität

Kommentar: Sybille Steinbacher (Wien)


Samstag, 11. Dezember 2010
9.00-13.00 Uhr

Dritte Sektion: Praxis der Privatisierung / Ost
Moderation: Annette Weinke (Jena)´

Joachim von Puttkamer (Jena)
Der schwere Abschied vom Volkseigentum
Die Logik der "Systemwechsel" in Polen und Ungarn

Wolfgang Seibel (Konstanz)
Wenn ein Staat zusammenbricht
Die Geschichte der Treuhand

Wolfram Schrettl (Berlin)
Chicago Boys in Moscow?
Two Decades of Economic Transformation in Russia

Kommentar: Olaf Leiße (Jena)


Podiumsdiskussion
Es diskutieren:
Franziska Augstein (München), Matthias Machnig (Erfurt)
Charles S. Maier (Cambridge, MA), Hartmut Rosa (Jena)
Moderation: Norbert Frei (Jena)

 

 

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Mit den Veranstaltungen um den zwanzigsten Jahrestag der deutschen Einheit geht in diesem Herbst ein fast zweijähriger Erinnerungsmarathon zu Ende. Seit dem Frühjahr des vergangenen Jahres sind die Ereignisse zwischen dem Sommer 1989 und dem 3. Oktober 1990 vielfach erörtert worden. Das Ziel dieser international besetzten Vortragsreihe ist ein anderes: Wir wollen fragen, wie es mit Deutschland weitergegangen ist - seit dem "Jahr, das alles verändert hat". Hat die "Berliner Republik" ihren Platz in Europa und der Welt gefunden? Wie nimmt sich die Geschichte des deutschen Zusammenwachsens aus der Sicht unserer Nachbarn aus? Ist Deutschland geblieben oder geworden, was unsere Partner im Osten und im Westen erhofften und erwarteten? Und schließlich: Wie sehen wir uns selbst, zwei Jahrzehnte "danach"? Was bleibt von der "friedlichen Revolution"? Wo müssen wir hin? 


Programmübersicht

Prof. Dr. Klaus Dicke (Jena)
Die "Bildungsrepublik" in der "Wissensgesellschaft"
Wo steht das deutsche Wissenschaftssystem?
1. November 2010

Prof. Dr. Włodzimierz Borodziej (Warschau)
Die (Erfolgs-)Geschichte eines Missverständnisses
Der polnische Blick auf Deutschland
8. November 2010

Prof. Dr. Anthony J. Nicholls (Oxford)
Angst oder Freude?
Großbritannien und die Deutsche Einheit
15. November 2010

Dr. Gunter Hofmann (Berlin)
Subversive Elemente
Deutsche und polnische Beiträge zur Revolution
22. November 2010

Prof. Dr. Friso Wielenga (Münster)
Vollendete Normalisierung
Deutschland aus niederländischer Perspektive
29. November 2010

Markus Meckel (Berlin)
Das vereinigte Deutschland
Haben wir unsere internationale Rolle gefunden?
6. Dezember 2010

Prof. Dr. Charles S. Maier (Cambridge, MA)
Die Lösung des "deutschen Problems"
Amerika und die Wiedervereinigung
13. Dezember 2010

 

 

Fremde im Visier
Der Blick der Wehrmachtssoldaten und die Analyse ihrer Bilder

Tagung, 17./18. November 2010
Carl-Zeiss-Str. 3, SR 309

Mit Beiträgen von Jet Baruch, Petra Bopp, Thomas Eller, Regina Mühlhäuser, Susanne Regener, Janina Struk und Ute Wrocklage.

Das detaillierte Tagungsprogramm finden Sie hier >.

 

 

Sommersemester 2010

 

 

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16. Transatlantisches Doktorandenseminar
Deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts

Vom 12. bis 15. Mai 2010 findet das 16. Transatlantische Doktoranden-
seminar zur deutschen Geschichte an der Friedrich-Schiller-Universität Jena statt. Organisiert wird das Seminar vom Deutschen Historischen Institut in Washington in Zusammenarbeit mit dem BMW Center for German and European Studies der Georgetown University und dem Jena Center Geschichte des 20. Jahrhunderts.
Das Seminar bietet je acht Doktorandinnen und Doktoranden aus Europa und Nordamerika die Gelegenheit, ihre Dissertationsprojekte aus dem gesamten Spektrum historischer Forschung zur deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts miteinander zu diskutieren. Renommierte Historikerinnen und Historiker aus den USA und aus Deutschland begleiten das Seminar als Mentoren und Diskussionsleiter - darunter die derzeitige Gastprofessorin am Jena Center, Atina Grossmann (New York), Roger Chickering (Georgetown University), Greg Eghigian (Pennsylvania State University), Norbert Frei (FSU Jena), Margit Szöllösi-Janze (LMU München) und Michael Wildt (HU Berlin).

 

 

Wintersemester 2009/2010

 

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Option Generation
Zur generationellen (Selbst-)Verortung in Ostdeutschland
30./31. Oktober 2009, Institut für Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie, PH 05, Herzberger Landstraße 2 (graues Haus), Göttingen.
Eine Veranstaltung des DFG-Graduiertenkollegs Generationengeschichte an der Universität Göttingen und des Jena Center Geschichte des
20. Jahrhunderts.
Das Tagungsprogramm finden Sie hier >

 

 

Sommersemester 2009


The "Brave New World" after Communism
1989: Expectations in Comparison

Eine Kooperationsveranstaltung des Instituts für die Wissenschaften vom Menschen in Wien, des Instituts für Politikwissenschaft der Universität Wien, des Renner-Instituts und des Jena Center Geschichte des 20. Jahrhunderts. Gefördert durch die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.
1
5. und 16. Juni 2009, Institut für die Wissenschaften vom Menschen, Spittelauer Lände 3, Wien

Programm als pdf >
Tagungsbericht als pdf >

 

 

Sozialgeschichte der Arbeit "nach dem Boom"
Deutschland und Europa seit den siebziger Jahren

Ein Workshop in Zusammenarbeit mit dem ZZF Potsdam
28. und 29. Mai 2009
Zentrum für Zeithistorische Forschung, Am Neuen Markt 1, Potsdam

Programm als pdf >
Tagungsbericht als pdf >

 

 

Ausschreibung der ersten Weimar Summer School
Vom 21. bis 30. Juli 2009 fand erstmals die Weimar Summer School statt: Je sieben deutsche und israelische Studentinnen und Studenten der Geschichts-, Kultur- und Gesellschaftswissenschaften waren eingeladen, sich mit Fragen der individuellen und öffentlichen Vergegenwärtigung von Geschichte vor allem des 20. Jahrhunderts zu beschäftigen. Die Weimar Summer School, betreut von Prof. Dr. José Brunner (Tel Aviv), Dr. Axel Doßmann und Prof. Dr. Volkhard Knigge (Jena), ist ein gemeinsames Projekt des Minerva-Instituts für deutsche Geschichte an der Universität Tel Aviv, des Jena Center Geschichte des 20. Jahrhunderts, des Historischen Instituts der Friedrich-Schiller-Universität Jena und der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora.
Alle wichtigen Informationen finden Sie hier >

 

 

Summer School
Negotiating Europe. Jewish and Non-Jewish Spaces II
13. bis 17. Juli 2009
Rosensäle, Fürstengraben 27, Jena

Erneut veranstaltet das Jena Center Geschichte des 20. Jahrhunderts vom 13. bis 17. Juli 2009 eine Summer School, zu der 15 Doktorandinnen und Doktoranden der Geschichts- und Kulturwissenschaften aus den USA, Israel, Belgien, Tschechien und Deutschland eingeladen sind. Die Veranstaltung findet im Rahmen des Forschungsprojekts "Kommunikationsräume des Europäischen. Jüdische Wissenskulturen jenseits des Nationalen" statt, das seit 2007 am Jena Center angesiedelt ist.
Unter der Überschrift "Negotiating Europe. Jewish and Non-Jewish Spaces II" stellen die Teilnehmer der Summer School ihre einschlägigen Forschungsprojekte vor und diskutieren mit den Forschern des Verbundprojekts über Fragen von Transnationalität, Kommunikation, Mobilität und den Transfer von Wissenskulturen im Europa des 19. und 20. Jahrhunderts.
Das Forschungsprojekt "Kommunikationsräume des Europäischen" wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziert und in Zusammenarbeit mit dem Simon-Dubnow-Institut für jüdische Geschichte und Kultur (Leipzig), dem Leipziger Zentrum für Lehrerbildung und Schulforschung und dem Jüdischen Museum Frankfurt am Main durchgeführt (www.kommunikationsraeume.eu).

Das Programm der Summer School finden Sie hier >

 

 

 

 

 

 

Wintersemester 2008/2009

 

 

Die Frage nach der Bedeutung der "Mitlebenden" (Hans Rothfels) für die Produktion historischen Wissens hat die Zeitgeschichtsforschung bereits im Moment ihrer Neuerfindung nach dem Zweiten Weltkrieg beschäftigt. Doch mit der wachsenden Medialisierung von Geschichte seit den siebziger Jahren hat sich das Spannungsverhältnis zwischen Zeitzeugenschaft und Zeitgeschichte verschärft - und die "authentische Stimme" des Zeitzeugen einen immer größeren Einfluss auf die öffentliche Präsentation historischer Themen erlangt.
Nicht ohne Grund konzentrieren sich die meisten Untersuchungen zur Rolle des Zeitzeugen bisher auf den Holocaust, denn in der Erinnerung der Überlebenden sind alle Dimensionen von Zeugenschaft präsent. Gerade die Debatten der letzten Jahre um die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg und die Gewalterfahrungen in den kommunistischen Diktaturen Osteuropas haben aber deutlich gemacht, dass die Figur des Zeitzeugen als Phänomen der öffentlichen Geschichtskultur ihrem historischen Entstehungskontext längst entwachsen ist.
Die "Geburt" des Zeitzeugen nach 1945 und seine Entwicklung seitdem bedarf deshalb der systematischen Reflexion: Wie ist in dieser langfristigen Perspektive seine gewachsene Bedeutung zu verstehen? Ist sie lediglich Ausdruck veränderter medialer Produktionslogiken? Oder liegen die Ursachen tiefer: in generationellen Umbrüchen, in den Konjunkturzyklen einer - jedenfalls mit Blick auf Nationalsozialismus und Holocaust - zunehmend transnationalen Erinnerungskultur? Und was bedeutet der Aufstieg des Zeitzeugen für das Verhältnis von Geschichte und Erinnerung? Diesen Fragen geht das Symposion des Jena Center Geschichte des 20. Jahrhunderts und des Zentrums für Zeithistorische Forschung Potsdam nach.


Pressereaktionen:

"Die Inflation der Zeitzeugen". Ein Bericht von Wolfgang Stenke (WDR 3, Resonanzen, 22. Dezember 2008) >

Günter Platzdasch: Als Zidane durchdrehte, waren die Zuschauer gerade durch den Spielverlauf abgelenkt (Frankfurter Allgemeine Zeitung,
30. Dezember 2008)
>


Programmübersicht

Donnerstag, 18. Dezember 2008

19.00 Uhr

Begrüßung
Norbert Frei (Jena)

Eröffnungsvortrag
Martin Sabrow (Potsdam)
Der Zeitzeuge als Wanderer zwischen den Welten

Freitag, 19. Dezember 2008

9.30-13.00 Uhr

I. Zeitzeugenschaft und "Vergangenheitsbewältigung" in der Nachkriegszeit

Sybille Steinbacher (Jena)
Zeitzeugenschaft und die Etablierung der Zeitgeschichte in der Bundesrepublik

Hanna Yablonka (Beer Sheva)
Nazi Era Trials and Survivors of the Holocaust in Israel

Filippo Focardi (Padua)
The Rise and Fall of a Paradigm: Contemporary Witnesses and the Resistenza in Italy

Dietmar Süß (Jena)
Zeitzeugenschaft als soziale Bewegung. "Mass-Observation" und britische Zeitgeschichte

Kommentar: Detlev Claussen (Hannover) / Lutz Niethammer (Jena)

Moderation: Thomas Schaarschmidt (Potsdam)

15.00-19.00 Uhr

II. Zeitzeugenschaft und die Medialisierung der Erinnerung seit "Holocaust"

Judith Keilbach (Utrecht)
Die Rezeption des Films "Holocaust" und die Rolle des Zeitzeugen in internationaler Perspektive

Hanno Loewy (Hohenems)
Zweideutige Zeugen? Die Überlebenden als Autorität und Abgrund zwischen "Shoah" und "Schindler's List"

Dorothee Wierling (Hamburg)
Zeitzeugenschaft und Oral History

Wolf Kaiser (Berlin)
Der Zeitzeuge in der Geschichtspädagogik

Kommentar: Constantin Goschler (Bochum) / Volkhard Knigge (Jena)

Moderation: Christoph Classen (Potsdam)

Samstag, 20. Dezember 2008

9.30-13.00 Uhr

III. Zeitzeugenschaft im Zeitalter der entgrenzten Erinnerung

Wulf Kansteiner (Binghamton)
Der Zeitzeuge als Medienereignis: Inszenierung und publizistische Personalisierung

Heidemarie Uhl (Wien)
Generationelle Erinnerungskonkurrenzen im ausgehenden 20. Jahrhundert

Dariusz Stola (Warschau)
Competing Memories in Poland

José Brunner (Tel Aviv)
Die Medikalisierung des Zeitzeugen. Politische Gewalt, Erinnerung und Trauma

Kommentar: Rainer Gries (Jena) / Joachim von Puttkamer (Jena)

Moderation: Axel Doßmann (Jena)

14.00-15.30 Uhr

IV. Zeitzeugenschaft und die Kulturen der Erinnerung

Es diskutieren: Cilly Kugelmann (Berlin), Harald Welzer (Essen),
Moshe Zimmermann (Jerusalem), Irina Scherbakova (Moskau)

Gesprächsleitung: Norbert Frei (Jena)

 




Mit Maja Apelt, Birgit Beck, Martin van Creveld, Christine Eifler,
Stig Förster, Marian Füssel, Nurit B. Gillath, Karen Hagemann,
Christa Hämmerle, M. Michaela Hampf, Svetlana Hsyki Poghosyan,
Gerd Krumeich, Klaus Latzel, Angelique Leszczawski-Schwerk,
Maren Lorenz, Franka Maubach, Andrea Moll, Jörg Nagler, Abraham Pournazaree, Joachim von Puttkamer, Felix Römer, Silke Satjukow,
Jutta Schwarzkopf, Nicola Spakowski undBarbara Wiesinger.

Tagungsprogramm als pdf >

 

 

 

 

Der Luftkrieg im europäischen Gedächtnis
Erinnerungen von 1940 bis 2005

Workshop, 17./18. Oktober 2008, Carl-Zeiss-Str. 3, SR 314

Mit Jörg Arnold, Bas von Benda Beckmann,Ralf Blank, Thomas Fache, Karola Fings,Stephan Goebel, Neil Gregor, Christian Groh,Nicole Kramer,Klaus Neumann,Michael Schmiedel, Stefanie Schüler-Springorum, Georg Seiderer, Christoph Strupp, Dietmar Süß, Malte Thießen und Susanne Vees-Gulani.

Tagungsprogramm als pdf >

 

 

Sommersemester 2008



Bernd Greiner, geboren 1952, ist ein herausragender Kenner der amerikanischen Geschichte des 20. Jahrhunderts. Der Historiker, Politikwissenschaftler und Amerikanist leitet am Hamburger Institut für Sozialforschung den Arbeitsbereich "Theorie und Geschichte der Gewalt" und lehrt an der dortigen Universität. Er habilitierte sich mit einer Arbeit über Die Morgenthau-Legende. Zur Geschichte eines umstrittenen Plans. In seinem aktuellen Forschungsprojekt Das amerikanische Jahrhundert. Krieg und Zivilgesellschaft in den USA untersucht er, wie sich das Verhältnis von Militär und Gesellschaft im Laufe des vergangenen Jahrhunderts verändert hat und wie Rüstung, militärische Bürokratien sowie Kriegs- und Gewalterfahrungen auf die demokratische Gesellschaft zurückwirkten. Die Modalitäten politischer Willensbildung und parlamentarischer Kontrolle sind ebenso Gegenstand seiner Forschung wie die Aushandlung kultureller Selbstbilder und die Konstruktion von Kriegs- und Kriegernarrativen.
Krieg ohne Fronten. Die USA in Vietnam (Hamburg 2007) heißt der erste Band seiner auf drei Teile angelegten Arbeit. In eindringlichen, materialreichen Fallstudien verknüpft Greiner die Untersuchung der Kriegsverbrechen in Vietnam mit der juristischen Aufarbeitung und der gesellschaftlichen Debatte darüber in den USA.
Das Jena Center Geschichte des 20. Jahrhunderts veranstaltet die Buchvorstellung in Zusammenarbeit mit der Thüringer Landeszentrale für politische Bildung.

 

Summer School
Negotiating Europe. Jewish and Non-Jewish Spaces
15.  bis 19. Juli 2008
Rosensäle der Friedrich-Schiller-Universität

Das Jena Center Geschichte des 20. Jahrhunderts veranstaltet vom
15. bis 19. Juli 2008 eine Summer School, zu der Doktoranden der Geschichtswissenschaften aus den USA, Kanada, Israel, Österreich und Deutschland nach Jena kommen. Die Veranstaltung findet im Rahmen des Forschungsprojekts "Kommunikationsräume des Europäischen. Jüdische Wissenskulturen jenseits des Nationalen" statt, das seit 2007 am Jena Center angesiedelt ist.
Unter der Überschrift "Negotiating Europe. Jewish and Non-Jewish Spaces" stellen die Teilnehmer der Summer School ihre einschlägigen Forschungsprojekte vor und diskutieren mit den Forschern des Verbundprojekts über Fragen von Transnationalität, Kommunikation, Mobilität und den Transfer von Wissenskulturen im Europa des 19. und 20. Jahrhunderts.
Das Forschungsprojekt "Kommunikationsräume des Europäischen" wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziert und in Zusammenarbeit mit dem Simon-Dubnow-Institut für jüdische Geschichte und Kultur (Leipzig), dem Leipziger Zentrum für Lehrerbildung und Schulforschung und dem Jüdischen Museum Frankfurt am Main durchgeführt (www.kommunikationsraeume.eu).

Das Programm der Summer School finden Sie hier.

 



Die autobiographischen Werke von Ruth Klüger, Inge Deutschkron und Max Mannheimer zählen zu den eindrucksvollsten Zeugnissen von Überlebenden der nationalsozialistischen Judenverfolgung. In einer dreiteiligen Veranstaltungsreihe sprachen José Brunner und Volkhard Knigge ab Mitte Juni an drei Mittwochabenden mit den Genannten über ihr Leben im Spannungsfeld von Geschichte und Zeugenschaft.

Den Auftakt dieses öffentlichen "Nachdenkens über das 20. Jahrhundert" bildete der Abend mit der prominenten Literaturwissenschaftlerin Ruth Klüger am 18. Juni. Frau Professor Klüger wurde 1942 als Elfjährige mit ihrer Mutter nach Theresienstadt, später nach Auschwitz und Christianstadt deportiert. Nach ihrer Befreiung emigrierten beide in die USA, wo Ruth Klüger Germanistik studierte und bis heute lehrt. 1992 erschien ihre Autobiographie Weiter leben. Eine Jugend.

Inge Deutschkron war am 25. Juni in Jena zu Gast. Die 1922 in der Niederlausitz geborene und in Berlin aufgewachsene Tochter aus sozialdemokratischem Hause überstand die letzten Kriegsjahre im Untergrund. Nach vielen Jahren als Journalistin in Israel lebt Frau Deutschkron seit 2001 wieder in Berlin, wo sie sich als Initiatorin des Museums "Blindenwerkstatt Otto Weidt" für die Erinnerung an jene "stillen Helden" einsetzt, denen sie und andere Juden ihre Rettung verdankt. Ihre 1978 erschienene Autobiographie Ich trug den gelben Stern wurde in mehrere Sprachen übersetzt und unter dem Titel Ab heute heißt Du Sara auch auf die Bühne gebracht.

Den Abschluss der Gesprächsreihe bildete der Abend mit Max Mannheimer am 2. Juli. Mannheimer, Jahrgang 1920, verlor im Holocaust fast seine gesamte Familie. Er selbst durchlitt Theresienstadt, Auschwitz und Dachau. Mitte der sechziger Jahre schrieb er seine Erinnerungen, die unter dem Titel Spätes Tagebuch. Theresienstadt - Auschwitz - Warschau - Dachau 1985 erstmals veröffentlicht wurden. Seitdem berichtet der Vorsitzende der Lagergemeinschaft Dachau vor allem vor jungen Menschen über seine Erfahrungen während der NS-Zeit.





"Geschichte als Kriminalroman. Historiographie nach Freud und Hitler" - unter diesem Titel hat Professor José Brunner von der Universität Tel Aviv am Montag, 16. Juni 2008, um 18 Uhr c.t. einen öffentlichen Vortrag in der Aula der Friedrich-Schiller-Universität gehalten.

Brunner ist im Sommersemester Gastprofessor am Jena Center Geschichte des 20. Jahrhunderts. Im deutsch-israelischen Wissenschaftsjahr 2008 kommt damit einer der herausragenden israelischen Wissenschafts-
historiker und Kenner der Geschichte der Psychoanalyse nach Jena. Brunners Studie zur politischen Bedeutung der Freudschen Theorie, Psyche und Macht. Freud politisch lesen (Stuttgart 2001) hat ihn ebenso wie seine Forschungen zu den politischen Ursprüngen und Bedeutungen von Traumatheorien zu einem Vorreiter interdisziplinärer Herangehensweisen an die Geschichte und Nachgeschichte des Nationalsozialismus und des Holocaust gemacht. Gemeinsam mit Norbert Frei leitet er seit einigen Jahren ein deutsch-israelisches Forschungsprojekt zur Geschichte der Wiedergutmachung nach 1945.

José Brunner stammt aus Zürich, hat Politologie an der Hebräischen Universität in Jerusalem studiert und in Oxford bei Leszek Kolakowski promoviert. Seit 1996 lehrt er an der Buchmann Fakultät für Rechtswissenschaft und dem Cohn Institut für Wissenschaftsgeschichte und -philosophie der Universität Tel Aviv. Seit drei Jahren ist er zudem Direktor des Minerva-Instituts für deutsche Geschichte.

 


 

Die "Achtundsechziger" in der Bundesrepublik bezogen sich theoretisch auf den Marxismus und auf die "Kritische Theorie", aber auch und nicht zuletzt auf Psychoanalyse und Sozialpsychologie. Alexander Mitscherlich verkörperte diese Wissenschaften damals wie kein anderer - und wurde zu einer der wichtigsten Identifikationsfiguren der Protestbewegung. Deren Dienstjubiläum und Mitscherlichs 100. Geburtstag am
20. September 2008 sind Anlass, über die Zusammenhänge zwischen Psychoanalyse und Protest, aber auch über die Rolle des "öffentlichen Intellektuellen" in der Bundesrepublik der sechziger Jahre noch einmal neu nachzudenken.

Was bedeutete Mitscherlichs Wort von der "vaterlosen" Gesellschaft und was machte die Attraktivität dieser Diagnose aus? Welchen Reiz entfaltete die Psychoanalyse für die "Achtundsechziger" und welche Bedeutung kam dem Thema der "unbewältigten" NS-Vergangenheit zu? Wie lässt sich die Generationenkonstellation zwischen den akademischen "Vätern" und den "Kindern" der Revolte beschreiben?
Wo trafen sich deren biographische Erfahrungen, wo traten Gemeinsamkeiten, Brüche und Missverständnisse zutage?

Pressereaktionen >

Publikation >

 


Programm


Freitag, 25. April 2008, 14.00-19.00 Uhr

Norbert Frei (Jena)
Warum Mitscherlich? Eine Einführung

Hans-Martin Lohmann (Frankfurt am Main)
Neue Einsichten, neue Fragen? Zur Biographie Alexander Mitscherlichs

I. Deutung der Gesellschaft

Martin Dehli (Berlin)
Vom "Untergang des Abendlandes" zum "Unbehagen in der Kultur". Spuren des Konservativen in Mitscherlichs Sozialpsychologie

Paul Nolte (Berlin)
Von der Gesellschaftsstruktur zur Seelenverfassung. Die Psychologisierung der Sozialdiagnose in den sechziger Jahren

II. Umgang mit der NS-Vergangenheit

Tobias Freimüller (Jena)
Verdrängung und Bewältigung. Alexander Mitscherlich und die
NS-Vergangenheit

Christian Schneider (Frankfurt am Main/Kassel)
Die Unfähigkeit zu trauern. Von der Diagnose zur Parole


Samstag, 26. April 2008, 9.00-13.00 Uhr

III. Generationenkonflikte

Ulrike Jureit (Hamburg)
Geliehene Väter? Generationelle Selbstverortungen in den sechziger Jahren

Micha Brumlik (Frankfurt am Main)
Ein Missverständnis? Alexander Mitscherlich und die antiautoritäre Studentenbewegung

Karola Brede (Frankfurt am Main)
Revolution in der "Affluent Society". Desiderate einer politischen Sozialpsychologie

IV. Psychoanalyse und Protest. Eine Diskussion

Es diskutieren:
Volkhard Knigge (Jena)
Werner Konitzer (Frankfurt am Main)
Hans-Martin Lohmann (Frankfurt am Main)
Helmut Thomä (Leipzig)
Gesprächsleitung: Norbert Frei (Jena)

 

 

 


Wintersemester 2007/2008



Anson Rabinbach ist Professor für Moderne Europäische Geschichte und Direktor des Instituts für European Cultural Studies an der Princeton University. Weit über die Grenzen seines Fachs hinaus bekannt wurde er durch sein in viele Sprachen übersetztes Buch Motor Mensch. Energie, Ermüdung und die Ursprünge der Modernität (Wien 2001; Originalausgabe The Human Motor: Energy, Fatigue, and the Origins of Modernity, Berkeley 1991). Rabinbach untersucht darin die Auswirkungen technologischer und arbeitswissenschaftlicher Entwicklungen auf die Industrie und die Industriearbeiterschaft vom Ende des 18. Jahrhunderts bis in die Moderne. Die Kulturgeschichte von Technik und Wissenschaft ist einer seiner Forschungsschwerpunkte, ein anderer ist die Geistes- und Ideengeschichte des 20. Jahrhunderts. In seiner Studie In the Shadow of Catastrophe: German Intellectuals Between Apocalypse and Enlightenment (Berkeley 1996) untersucht er die Reaktionen deutscher Intellektueller auf die beiden Weltkriege.
Zu Rabinbachs neuesten Werken zählen der mit Wolfgang Bialas veröffentlichte Sammelband Nazi Germany and the Humanities (Oxford 2007) und eine gemeinsam mit Sander Gilman edierte Quellensammlung zur Geschichte des Nationalsozialismus, The Third Reich Sourcebook (erscheint in Kürze). Er ist Mitgründer und Herausgeber der Zeitschrift New German Critique.
Rabinbach studierte an der University of Wisconsin unter anderem bei George L. Mosse, verbrachte zwei Jahre zu Forschungszwecken in Wien und wurde 1973 mit einer Studie über die österreichische Sozialdemokratie der Zwischenkriegszeit promoviert. Er lehrte an der Cooper Union for the Advancement of Science and Art in New York und am Hampshire College in Amherst/MA. Lehr- und Forschungsaufenthalte führten ihn als Fellow der Guggenheim Foundation, des National Endowment und der Fulbright Kommission viele Male nach Europa, unter anderem nach Paris und St. Petersburg. Als Fellow der American Academy verbrachte er 2005 einen Forschungsaufenthalt in Berlin.
Im Wintersemester 2007/08 ist Anson Rabinbach Gastprofessor am Jena Center Geschichte des 20. Jahrhunderts. In zwei öffentlichen Vorträgen wird er

im Rahmen seiner Gastprofessur Einblick in seine aktuellen Forschungsprojekte zur Ideen- und Geistesgeschichte des Faschismus und des Kalten Krieges geben.

 

 

 


Christoph Kleßmann, geboren 1938, ist einer der herausragenden Historiker der Geschichte der deutschen Teilung und der DDR.
Nach Promotion und Habilitation an der Ruhr-Universität Bochum übernahm er 1976 den Lehrstuhl für Zeitgeschichte an der Universität Bielefeld. 1993 folgte er einem Ruf an die neugegründete Universität Potsdam. Bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2004 war Kleßmann geschäftsführender Leiter des dortigen Zentrums für Zeithistorische Forschung. Zahlreiche wissenschaftliche Aufenthalte führten ihn unter anderem nach Polen, Frankreich, England und in die USA.
Zu seinen bekanntesten Publikationen zählen die mehrfach wieder-
aufgelegten Standardwerke Die doppelte Staatsgründung. Deutsche Geschichte 1945-1955 (1982) und Zwei Staaten, eine Nation. Deutsche Geschichte 1955-1970 (1988). In der elfbändigen, von Bundesministerien gemeinsam mit dem Bundesarchiv herausgegebenen Reihe Geschichte der Sozialpolitik in Deutschland seit 1945 veröffentlichte Kleßmann 2006 einen Band über die DDR der sechziger Jahre.

Arbeiter im "Arbeiterstaat" DDR. Deutsche Traditionen, sowjetisches Modell, westdeutsches Magnetfeld (1945 bis 1971) heißt sein neuestes Buch. Wie gingen die Arbeiter in der Ära Ulbricht um mit der Diskrepanz zwischen ihrer angeblichen Rolle als "führender Klasse" und ihrer faktischen Machtlosigkeit? Wie verhielten sie sich angesichts ihrer ideologischen Stilisierung und politischen Funktionalisierung durch das SED-Regime? Aus sozial- und kulturhistorischer Perspektive geht Kleßmann diesen Fragen nach und gibt Einblick in das Spannungsfeld von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft in der DDR.

 

 

Sommersemester 2007



Am Dienstag, den 19. Juni 2007 veranstaltet das Jena Center Geschichte des 20. Jahrhunderts anlässlich der Veröffentlichung der Studienbände "Hochschule im Sozialismus. Studien zur Geschichte der Friedrich-Schiller-Universität Jena (1945-1990)" um 18 Uhr eine Podiumsdiskussion im großen Sitzungssaal der Rosensäle. Neben den Herausgebern des Bandes - Uwe Hoßfeld, Tobias Kaiser und Heinz Mestrup - werden der Publizist Roland Jahn sowie Prof. Dr. Konrad Jarausch (University of North Carolina, Chapel Hill / ZZF Potsdam) an der Diskussion teilnehmen.

Die Geschichte der Friedrich-Schiller-Universität Jena in der Zeit der Sowjetischen Besatzungszone und der DDR ist Thema einer mehr als 2000 Seiten umfassenden, zweibändigen Aufsatzsammlung, die von Uwe Hoßfeld, Tobias Kaiser und Heinz Mestrup herausgegeben wurde. Sie ist Ergebnis von Forschungen der von Professor Hans-Werner Hahn geleiteten "Senatskommission zur Aufarbeitung der Jenaer Universitätsgeschichte im 20. Jahrhundert", deren Mitarbeiter die Herausgeber sind, und steht im Kontext der Bemühung der Universität Jena um eine kritische Aufarbeitung der eigenen Vergangenheit im Hinblick auf das 450jährige Universitätsjubiläum im Jahr 2008.

Für die Bände konnten über 80 Autoren gewonnen werden. Ausgewiesene Fachleute aus unterschiedlichen Disziplinen, Zeitzeugen und auch Nachwuchswissenschaftler äußern sich in Detailstudien zu dem breiten Spektrum von Universitätsgeschichte. Ziel dieser Bemühungen war keine Jubelschrift, sondern eine Analyse, die wissenschaftliche Leistungen würdigt, aber auch "dunkle Seiten" nicht ausklammert. Zusammengetragen wurden in den Bänden ganz verschiedene Sichtweisen - in Abhängigkeit von unterschiedlichen methodischen Herangehensweisen an den jeweiligen Untersuchungsgegenstand, aber auch vor dem Hintergrund persönlicher Erfahrungen an der Jenaer Hochschule. Ein ehemaliger erfolgreicher Hochschullehrer wertet den behandelten Zeitraum an "seiner" Universität anders als ein Student, der aus politischen Gründen exmatrikuliert wurde.

Die Publikation richtet sich an Leser mit sehr unterschiedlichen Interessen. Sie bietet Gelegenheit, die Geschichte einzelner Disziplinen, einige typische oder bisher vergessene Personen, aber auch die Geschichte der Verfolgung von Studierenden an der Jenaer Universität durch die Macht- und Repressionsorgane der DDR genauer zu betrachten. Sie stellt bestimmte strukturprägende Themen und Längsschnitte, spezielle Fragen oder vergleichende Aspekte vor.

Verkündet werden sollen keine "letzten Wahrheiten". Vielmehr zeigen die Studienbände vor allem die Komplexität von "Universitätsgeschichte": Das betrifft etwa die Geschichte von Verfassung und Institutionen und ihre Einbettung in die politische Ordnung, die Politisierung von Wissenschaft und Universität, das Verhältnis zu Industrie und Region, Lehrkörper und Studentenschaft, wissenschaftliche Leistungen, Handlungsspielräume und Eigeninteressen der Akteure. Miteinander verknüpft werden dabei unterschiedliche methodische Herangehensweisen (Universitäts-, Sozial-, Wissenschafts-, Bildungs-, Ideen- und Mentalitätsgeschichte). Mit diesem umfangreichen Analyseansatz für eine Hochschule in der Sowjetischen Besatzungszone und der Deutschen Demokratischen Republik trägt das vorliegende Werk Pilotcharakter, zumal ein Zeitraum erforscht wird, der bislang nur zu häufig aufgrund noch offener Fragestellungen, einer bis 1990 eingeschränkten Quellenlage sowie aufgrund politisch-ideologischer Ausrichtung unzureichend in das Blickfeld von Wissenschaft und Öffentlichkeit getreten ist. Ein umfangreicher Anhang mit zahlreichen Übersichten und ein fotodokumentarischer Teil unterstreichen den handbuchartigen Charakter des Werkes.

Die Herausgeber erhoffen sich eine rege und kritische Diskussion zu den vorgelegten Befunden und begreifen die Bände als Chance, eine Reflexion über die Geschichte der Universität weiter vorantreiben und die bisherigen Erkenntnisse erweitern und vertiefen zu können - im Gespräch mit Fachkollegen, Zeitzeugen und weiteren an Universitätsgeschichte interessierten Lesern.

 

 



Professor Dr. Fritz Stern (New York), dessen Besuch anlässlich der Gründung des Jena Center Geschichte des 20. Jahrhunderts im Januar 2006 bereits auf große öffentliche Resonanz gestoßen ist, übernimmt im Sommersemester 2007 nach Prof. Dr. Saul Friedländer (Los Angeles) die zweite Gastprofessur am Jena Center.
Fritz Stern, geboren 1926 in Breslau, emigrierte im Alter von zwölf Jahren mit seinen Eltern in die USA. Seitdem lebt er in New York, wo er an der Columbia University studierte, promovierte und seit Anfang der fünfziger Jahre deutsche und europäische Geschichte lehrte, zuletzt als University Professor. Lehr- und Forschungsaufenthalte führten Stern unter anderem nach Paris, Konstanz, New Haven und immer wieder nach Berlin.
Professor Stern ist einer der angesehensten Historiker der Gegenwart; 1999 wurde er mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, 2004 in New York mit der Leo-Baeck-Medaille und 2005 mit dem Nationalpreis der Deutschen Nationalstiftung ausgezeichnet. Er ist Mitglied des Ordens Pour le Mérite und war 1993/94 Berater des damaligen amerikanischen Botschafters in Deutschland, Richard Holbrooke. Am 17. Juni 1987 hielt Fritz Stern im Deutschen Bundestag eine vielbeachtete Rede zum Tag der Deutschen Einheit.
Die Bücher von Fritz Stern sind in viele Sprachen übersetzt. Auf Deutsch sind derzeit lieferbar: Kulturpessimismus als politische Gefahr (amerikanische Originalausgabe 1961), Stuttgart 2005; Gold und Eisen. Bismarck und sein Bankier Bleichröder (1977), Reinbek 1999; Der Traum vom Frieden und die Versuchung der Macht (1987), München 2006; Verspielte Größe (1996), München 2005; Das feine Schweigen (1999), München 2000. Im Sommer 2007 erscheint bei C.H.Beck die deutsche Übersetzung seines neuesten Werks: Fünf Deutschlands, die ich kannte.
Unter dem Rahmenthema "Der Westen im 20. Jahrhundert. Selbstzerstörung, Wiederaufbau, Gefährdungen der Gegenwart" wird Professor Stern während seines Aufenthalts in Jena drei öffentliche Vorträge halten. Der erste Vortrag am 16. April um 19 Uhr in der Aula der Universität behandelt unter dem Titel "Der zweite Dreißigjährige Krieg" die Zeit bis 1945. Die Einführung übernimmt Ministerpräsident a.D. Prof. Dr. Bernhard Vogel. Die weiteren Vorträge finden am 2. Mai ("Die Jahrzehnte nach 1945") und am 23. Mai ("Die Welt seit 1989") in den Rosensälen statt.
Darüber hinaus wird Professor Stern eine Reihe von Seminaren der Doktorandenschule des Jena Center Geschichte des 20. Jahrhunderts halten; zu den Themen gehören die politische Kultur der Weimarer Republik und die Wandlungsprozesse in der DDR und in Osteuropa während der 1980er Jahre.

Publikation >

 

 


Am Donnerstag, den 3. Mai 2007 veranstaltet das Jena Center Geschichte des 20. Jahrhunderts gemeinsam mit der Forschungsgruppe "Erinnerung - Macht - Geschichte" und mit Unterstützung der Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur unter dem Titel "Kurz vor Schluss - Drei fremde Blicke auf die späte DDR" um 19.00 Uhr eine Podiumsdiskussion im Vortragssaal der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek in Jena.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Frankreich, aus den USA und aus der "alten" Bundesrepublik diskutieren über ihre einstigen und heutigen Wahrnehmungen der ehemaligen DDR. Sandrine Kott, Mitherausgeberin des Bandes Die ostdeutsche Gesellschaft (Berlin: Christoph Links Verlag, 2006), richtet ihren Blick vornehmlich auf die ostdeutsche Alltagsgeschichte. Lutz Niethammer und Alexander von Plato, Autoren des Buches Die volkseigene Erfahrung, führten vor genau 20 Jahren lebensgeschichtliche Interviews in ostdeutschen Industriezentren. Der gebürtige Breslauer Fritz Stern - in diesem Sommersemester Gastprofessor am Jena Center -, der 1938 in die USA emigriert war, reiste in den späten achtziger Jahren durch die DDR und veröffentlichte im vergangenen Jahr seine Erinnerungen unter dem Titel Five Germanys I Have Known.

Moderiert wird die Podiumsdiskussion von Stefan Nölke (MDR Figaro).

 

 

Wintersemester 2006/07



Am 14. August 2006 wäre Martin Broszat, der einstige Direktor des Instituts für Zeitgeschichte, 80 Jahre alt geworden. Dies ist Anlass, der Frage nach der Bedeutung seines historio­graphischen Werks genauer nachzugehen. Ein international besetztes Symposion beleuchtet Broszats vielfältige Impulse für die Zeitgeschichtsforschung von deren Anfängen bis in die Gegenwart. Vor dem Hintergrund des sich heuer zum 20. Mal jährenden "Historikerstreits" ist sein Werk erneut aktuell. Im Mittelpunkt steht das breite Spektrum seiner Studien zur Geschichte des Dritten Reiches. Diskutiert werden Broszats frühe Arbeiten über die nationalsozialistische Ideologie, die "Polenpolitik" und die Struktur des Konzentrationslagersystems ebenso wie der "Staat Hitlers", das "Bayern-Projekt" und sein "Plädoyer für eine Historisierung des Nationalsozialismus", das in den Jahren vor seinem Tod in den berühmt gewordenen "Briefwechsel" mit Saul Friedländer mündete. Saul Friedländer, im laufenden Wintersemester Gastprofessor des Jena Center Geschichte des 20. Jahrhunderts, nimmt an dem Symposion teil.

Im Juli 2007 erscheint eine Dokumention des Symposions unter dem Titel Martin Broszat, der "Staat Hitlers" und die Historisierung des Nationalsozialismus beim Wallstein Verlag Göttingen. >

Pressereaktionen >

Programm

Freitag, 15. Dezember 2006

14.00 Uhr
Norbert Frei (Jena)
Nach Broszat. Eine Einführung

14.30-16.00 Uhr
I. Die Anfänge der empirischen Zeitgeschichtsforschung
Chair: Lutz Niethammer (Jena)

Hans Mommsen (Feldafing)
Martin Broszat und die Zeitgeschichte in den sechziger Jahren

Włodzimierz Borodziej (Warschau)
Martin Broszat, Marian Wojciechowski und die deutsch-polnischen Geschichtsbeziehungen

16.30-18.00 Uhr
II. Die bundesrepublikanische Zeitgeschichtsforschung in ihrer klassischen Phase
Chair: Dirk van Laak (Jena)

Hans-Ulrich Wehler (Bielefeld)
Intentionalisten, Strukturalisten und das Theoriedefizit der Zeitgeschichte

Ian Kershaw (Sheffield)
Soziale Motivation und Führerbindung im "Staat Hitlers"

Samstag, 16. Dezember 2006

9.00-10.30 Uhr
III. Alltag und Holocaust
Chair: Volkhard Knigge (Jena)

Michael Wildt (Hamburg)
Das "Bayern-Projekt", die Alltagsforschung und die "Volksgemeinschaft"

Sybille Steinbacher (Jena)
Martin Broszat und die Erforschung der nationalsozialistischen Judenpolitik

11.00-13-30 Uhr
IV. Zeitgeschichte auf dem Weg in die Diskursgeschichte
Chair: Norbert Frei (Jena)

Nicolas Berg (Leipzig)
Broszats Leitbegriffe für den Nationalsozialismus als generationelle Deutungsarbeit

Dan Diner (Jerusalem/Leipzig)
Broszats "Plädoyer" als Vorgeschichte des "Historikerstreits"

Saul Friedländer (Los Angeles)
Ein Briefwechsel, fast zwanzig Jahre später

 

 


Der Workshop diskutiert Dopingpraktiken in Ost- und Westdeutschland, aber auch in den USA und in der Sowjetunion zwischen 1960 und 1990 aus zeithistorischer, verantwortungsethischer und kulturwissenschaftlicher Perspektive.

Veranstalter des Workshops ist das seit Juli 2005 laufende Forschungsprojekt "'Unterstützende Mittel' - Doping im Sportsystem der DDR und die Rolle der pharmazeutischen Industrie", das die Bedeutung des VEB Jenapharm für das Staatsdoping der DDR untersucht. Die wissenschaftliche Leitung liegt bei Prof. em. Dr. Lutz Niethammer. Finanziell ermöglicht werden das Projekt und auch der Workshop durch die Jenapharm GmbH und Co. KG.

Information und Anmeldung
Dr. Klaus Latzel
Friedrich-Schiller-Universität Jena
August-Bebel-Straße 4
07743 Jena
Tel.: 03641-944405/09
Fax: 03641-944408

Programm

Donnerstag, 30. November 2006

14.00 Uhr
Lutz Niethammer (Jena)
Begrüßung und Einführung

I. Strukturen, Beteiligte, Verantwortung

14.30-16.30 Uhr
Stoffe und Strukturen. Dopingpraktiken und ihre ethische Problematik

Holger Gabriel (Jena)
Erwünschte und unerwünschte Wirkungen anaboler Steroide aus ärztlicher Sicht

Gerhard Treutlein (Heidelberg)
Strukturen, Dynamiken und Praktiken des Dopings in der Bundesrepublik zwischen den 60er und 90er Jahren

Werner W. Franke (Heidelberg)
Doping Ost wie Doping West - zu Beitrag und Schuld von Wissenschaftlern und Ärzten

Moderation: Rudi Schmidt (Jena)

17.00-18.30 Uhr
Staatsdoping und verantwortliches Handeln

Nikolaus Knoepffler (Jena)
Freiheitsspielräume in einem staatlichen Dopingsystem

Giselher Spitzer (Berlin)
Entstehung und Funktionsweise des DDR-Dopings

Moderation: Michael Krüger (Münster)

Freitag, 1. Dezember 2006

9.00-10.30 Uhr
Von der Wende zur Einheit - auch beim Doping?

Hans Joachim Teichler (Potsdam)
Doping in der Endphase der DDR und im Prozeß der Wende

Jutta Braun (Potsdam)
Doping - Stolperstein der Vereinigung?

Moderation: Lorenz Peiffer (Hannover)

11.00-12.30 Uhr
Staatspläne, Pharmabetriebe und Doping in der DDR

Ekkehard Schönherr (Jena)
Jenapharm als pharmazeutischer Betrieb in der DDR (Kurzvortrag)

Klaus Latzel (Jena)
Doping und die pharmazeutische Industrie in der DDR. Vorläufige Ergebnisse und Forschungs­probleme

Moderation: Jürgen John (Jena)

II. Kulturwissenschaftliche Perspektiven

15.00-16.30 Uhr
Erfahrungen

Anke Delow (Berlin)
Möglichkeiten und Grenzen biographischer Zugänge zur Sportgeschichte und speziell zum Doping in der DDR

Kirsten Kaya Roessler (Odense)
Schmerz und Grenzüberschreitung. Psychologische Aspekte von Sport und Beziehung

Moderation: Bruno Hildenbrand (Jena)

17.00-18.30 Uhr
Körperbilder - Körperkonzepte

Nikolaus Katzer (Hamburg)
Am Rande der Vollkommenheit. Aspekte einer Geschichte sowjetischer Körperoptimierung

Stefan Wiederkehr (Warschau)
Wer ist "olympisch gesehen eine Frau"? Geschlechtertests und Dopingbekämpfung als Themen der westlichen Sportpresse zur Zeit des Kalten Krieges

Moderation: Silke Satjukow (Jena)

Samstag, 2. Dezember 2006

9.00-10.30 Uhr
Paradigmen der Machbarkeit

John Hoberman (Austin/Texas)
Fünfzig Jahre Doping im Hochleistungssport und die Pharmakologisierung des Alltagslebens

Volker Caysa (Leipzig)
Die Körpertechnologie Doping als Vorform der beginnenden Körperin­dustrialisierung

Moderation: Lutz Niethammer (Jena)

11.00-12.00 Uhr
Schlussdiskussion

 

 


Die zwölf Jahre des Dritten Reiches zerfallen, stark vereinfacht, in die Jahre des Krieges und des Holocausts und die vorangegangenen Jahre eines außenpolitischen Friedens. Vermeintlichen Erfolgen wie dem Rückgang der Arbeitslosigkeit, erkauft durch eine verhängnisvolle Aufrüstung, einem erstarkten nationalen Selbstbewußtsein und der gigantischen Selbstdarstellung des Dritten Reiches während der Olympischen Spiele 1936 steht eine Bilanz des Terrors gegenüber. Mit der Machtergreifung 1933 setzte ein gnadenloser innerer Krieg gegen Regimegegner, Randgruppen und Juden ein. Das System der Konzentrationslager wurde aufgebaut, die Nürnberger Gesetze erlassen, und der Novemberpogrom 1938 war bereits ein Vorbote des Holocaust.

Richard J. Evans setzt seine hochgelobte und mit Spannung erwartete Geschichte des Dritten Reiches mit den Jahren der »Diktatur« fort. Die große Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit für dieses Thema wurde zuletzt anläßlich des 60. Jahrestages des Kriegsendes deutlich.

Richard J. Evans: Das Dritte Reich. Diktatur. (DVA) München 2006.

Saul Friedländer, 1932 als Kind deutschsprachiger Juden in Prag geboren, floh mit seinen Eltern 1939 vor den deutschen Besatzern nach Frankreich. Versteckt in einem katholischen Internat überlebte er den Holocaust; sein Vater und seine Mutter wurden - nach einem gescheiterten Fluchtversuch in die Schweiz - deportiert und ermordet. 1948 verließ Friedländer Frankreich, um im israelischen Unabhängigkeitskrieg zu kämpfen. Seit 1950 studierte er in Tel Aviv, Paris und Genf, wo er ab 1964 am Institut universitaire de hautes études internationales unterrichtete. Seit 1976 war er zugleich Professor für Geschichte an der Universität Tel Aviv; 1987 folgte er einem Ruf an die University of California in Los Angeles, wo er noch heute lehrt. Im Wintersemester 2006/07 ist Saul Friedländer Gastprofessor am Jena Center Geschichte des 20. Jahrhunderts.

Professor Friedländer ist einer der international bekanntesten Historiker des Nationalsozialismus und des Holocaust; zu den zahlreichen Ehrungen und akademischen Auszeichnungen, die er erfahren hat, gehören der Israel-Preis (1988) und die MacArthur Fellowship (1999). In Deutschland machte sich Friedländer bereits in den sechziger Jahren einen Namen mit biographischen Dokumentationen und Studien über Papst Pius XII. und das Dritte Reich (1965) und über den SS-Offizier Kurt Gerstein oder: Die Zwiespältigkeit des Guten (Paris 1967, dt. Ausgabe 1968). Sein autobiographisches Buch Wenn die Erinnerung kommt (Paris 1978, dt. Erstausgabe 1979) wurde als ein literarisches Meisterwerk gerühmt, ebenso der Essay Kitsch und Tod. Der Widerschein des Nazismus (Paris 1982, dt. Erstausgabe 1984). Große Beachtung fand der 1988 in den Vierteljahrsheften für Zeitgeschichte veröffentlichte Briefwechsel mit Martin Broszat Um die "Historisierung" des Nationalsozialismus. Für den ersten Band seines nunmehr abgeschlossenen Werkes Das Dritte Reich und die Juden wurde er 1998 mit dem Geschwister-Scholl-Preis ausgezeichnet.

Saul Friedländers Bücher sind in viele Sprachen übersetzt. Auf Deutsch ist derzeit bei C.H. Beck lieferbar: Wenn die Erinnerung kommt, München 1998; Das Dritte Reich und die Juden. Band 1: Die Jahre der Verfolgung 1933-1939, Band 2: Die Jahre der Vernichtung 1939-1945, München 1998 bzw. 2006.

Sein neuestes Buch mit dem Titel Den Holocaust beschreiben. Auf dem Weg zu einer integrierten Geschichte, das im Rahmen seiner Gastprofessur am Jena Center Geschichte des 20. Jahrhunderts entstanden ist,erscheint im September 2007 im Wallstein Verlag. >

 

 

Sommersemester 2006

 

Prof. Dr. Hans Markowitsch lehrt Physiologische Psychologie an der Universität Bielefeld und arbeitet gemeinsam mit dem Sozialpsychologen Prof. Dr. Harald Welzer (Essen) seit einigen Jahren an interdisziplinären Projekten zur Gedächtnisforschung (Das autobiographische Gedächtnis. Hirnorganische Grundlagen und biosoziale Entwicklung, Stuttgart 2005; Episodisches Gedächtnis, Stuttgart 2006).

Auf Einladung des Forschungsprojektes Erinnerung - Macht - Geschichte am SFB 580 und des Jena Center Geschichte des 20. Jahrhunderts stellte Markowitsch an der Universität Jena seine Forschungen zum physiologischen Aufbau des Gehirns als Gedächtnisort vor und sprach unter anderem über die Ergebnisse seiner Kooperationsprojekte mit Harald Welzer, in denen psychologische und physiologische Annahmen über die Funktionsweise des menschlichen Gedächtnis erstmals aus einer integrativen Perspektive betrachtet und analysiert wurden.

 

 

Fast auf den Tag genau ein Jahr nach ihrer Einsetzung durch die Staats-
ministerin für Kultur und Medien hat die Expertenkommission DDR-Ge-
schichte im Mai 2006 ein vielbeachtetes Gutachten präsentiert. Aufgabe der Kommission war es, ein Gesamtkonzept vorzulegen für einen dezen-
tral organisierten Geschichtsverbund zur Aufarbeitung der SED-Diktatur unter besonderer Berücksichtigung von Widerstand und Opposition. Einbezogen werden sollten Einrichtungen von "gesamtstaatlicher Bedeu-
tung", die gegenwärtig vom Bund getragen werden (Birthler-Behörde, Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Zeitgeschichtliches Forum Leipzig), aber auch vom Bund geförderte Einrichtungen auf Länderebene (Gedenkstätte Hohenschönhausen, Gedenkstätte Berliner Mauer, For-
schungs- und Gedenkstätte Normannenstraße). Die Kommission war auf-
gefordert, ein Modell für die Weiterentwicklung der Institutionen, ihre Kooperation und Schwerpunktsetzungen zu erarbeiten, das die Orte des Erinnerns und Lernens konzeptionell und praktisch stärker aufeinander bezieht und miteinander vernetzt, um eine bessere Profilierung, Arbeits-
teilung und Kooperation zu gewährleisten. Der Kommissionsbericht hat in der Presse viel Zustimmung gefunden, zum Teil aber auch Kritik erfah-
ren. Die Veranstaltung des Jena Center Geschichte des 20. Jahrhunderts bietet nun Gelegenheit, sich aus erster Hand zu informieren und mit dem Vorsitzenden der Expertenkommission zu diskutieren.

 

 

Vor dreißig Jahren entledigte sich die DDR eines unbequemen Staatsbür-
gers: Nach einem Konzert in Köln im November 1976 durfte der Lieder-
macher Wolf Biermann nicht in die DDR zurückreisen. Die heftigen Protes-
te gegen die ungewöhnliche Maßnahme werden oft als Anfang vom Ende des ostdeutschen Systems gewertet. Trifft die Einschätzung zu? Und wie wurden die Ereignisse in Universität und DDR-Öffentlichkeit diskutiert? Dies sind Ausgangsfragen einer Diskussionsveranstaltung am 6. Juli, die aus einem laufenden Seminar des Historischen Instituts hervorgeht. Die Eingeladenen haben die Vorgänge von 1976 aus unterschiedlicher Warte verfolgt. Sie debattieren über Positionen und Spielräume von Gelehrten, Künstlern und Intellektuellen in der späten DDR sowie das spannungs-
reiche Verhältnis von Anpassung, Reform und Dissidenz.

 


 


 

 

 

 

 

 

Wintersemester 2005/06

 

 

 

Donnerstag, 19. Januar 2006
18.00 Uhr
Begrüßung durch den Rektor der Friedrich-Schiller-Universität,
Prof. Dr. Klaus Dicke

Grußwort des Thüringer Ministerpräsidenten
Dieter Althaus

Begrüßung durch den Direktor des Historischen Instituts,
Prof. Dr. Jörg Nagler

Fritz Stern (New York)
Politik und Zeitgenossenschaft im 20. Jahrhundert

Freitag, 20. Januar 2006
9.30-11.30 Uhr
Gedächtnisgeschichte im Rückblick
Zeitgebundene Reaktion oder gültiges Paradigma?
Beiträge von Christoph Cornelißen (Kiel), Volkhard Knigge (Jena), Nathan Sznaider (Tel Aviv), Sigrid Weigel (Berlin); anschließend Diskussion im Plenum
Gesprächsleitung: Dirk van Laak (Jena)

12.00-14.00 Uhr
Zeitgeschichte als Kulturwissenschaft?
Relevanzprobleme und Erkenntnischancen
Beiträge von Hans Günter Hockerts (München), Lutz Niethammer (Jena), Henry Rousso (Paris), Martin Sabrow (Potsdam); anschließend Diskussion im Plenum
Gesprächsleitung: Bernd Weisbrod (Göttingen)

14.00 Uhr
Grußwort des Thüringer Kultusministers
Prof. Dr. Jens Goebel

15.00-17.00 Uhr
"Neue Politikgeschichte"
Europa, der Westen - und darüber hinaus?
Beiträge von Eckart Conze (Marburg), Ute Frevert (New Haven), Ian Kershaw (Sheffield), Jörn Leonhard (Jena); anschließend Diskussion im Plenum
Gesprächsleitung: Axel Schildt (Hamburg)

Samstag, 21. Januar 2006
10.00-12.00 Uhr
Rückkehr der Geschichte?
Aktuelle Diskussionsrunde
mit Włodzimierz Borodziej (Warschau), Dan Diner (Leipzig/Jerusalem), Jeffrey Herf (College Park/ Maryland), Joachim von Puttkamer (Jena)
Gesprächsleitung: Norbert Frei (Jena)