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Sommersemester 2019


Prof. Dr. Doris Bergen (Toronto)

 

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Doris Bergen, geboren 1960 im kanadischen Saskatoon, ist Professorin für Holocaust-Studien an der University of Toronto. Zu ihren Forschungsschwerpunkten zählen neben der Geschichte von Gewalt und Genoziden im 20. Jahrhundert auch die Geschichte der christlichen Kirchen sowie die Frauen- und Geschlechtergeschichte.

Nach Abschluss ihres Bachelors an der University of Sasketchewan erwarb Doris Bergen 1984 den Master in Modern European History an der University of Alberta in Edmonton, bevor sie für ihre von Gerhard L. Weinberg betreute Promotion an die University of North Carolina in Chapel Hill ging. Von 1991 bis 1996 unterrichtete sie an der University of Vermont und von 1996 bis 2006 an der University of Notre Dame in Indiana, wo sie 2005 zur Professorin ernannt wurde. Seit 2007 ist Doris Bergen Inhaberin des Chancellor Rose and Ray Wolfe-Lehrstuhls für Holocaust-Studien am Department of History sowie am Tanenbaum Centre for Jewish Studies an der University of Toronto.

Ihre Doktorarbeit über die "Deutschen Christen" im Nationalsozialismus veröffentlichte sie 1996 unter dem Titel Twisted Cross: The German Christian Movement in the Third Reich - ein Standardwerk über die regimetreue Strömung innerhalb der evangelischen Kirche in Deutschland und ihre Bemühungen, alles "Jüdische" aus den christlichen Schriften und Riten zu verbannen. Mit der Verbindung von Klerus und Krieg beschäftigte sie sich auch in mehreren Aufsätzen über die Rolle der Wehrmachtspfarrer im Holocaust sowie in ihrem Buch The Sword of the Lord: Military Chaplains from the First to the Twenty-First Century (2004).

2003 publizierte Doris Bergen ihre vielbeachtete und mehrfach wiederaufgelegte Überblicksdarstellung War and Genocide: A Concise History of the Holocaust, in der sie die Gewalterfahrungen unterschiedlicher Gruppen von Tätern, Opfern und anderen Beteiligten auf der Basis zahlreicher Egodokumente in integrierter Perspektive analysierte. Mit Andrea Löw und Anna Hájková gab sie 2014 den Sammelband Alltag im Holocaust. Jüdisches Leben im großdeutschen Reich 1941-1945 heraus. In zahlreichen Aufsätzen hat sie sich außerdem mit der Beteiligung der sogenannten Volksdeutschen an der Besatzungsgewalt gegen Juden in Osteuropa sowie mit dem Stellenwert sexualisierter Gewalt im Zweiten Weltkrieg und in anderen Konflikten beschäftigt. Derzeit arbeitet sie an einem Buchprojekt mit dem Titel Between God and Hitler: Military Chaplains in National Socialist Germany.

Forschungsaufenthalte und Fellowships führten Doris Bergen unter anderem nach München, Tuzla, Poznan, Warschau und Pristina. Sie gehört zahlreichen wissenschaftlichen Beratergremien an, so etwa dem Academic Advisory Committee am Center for Advanced Holocaust Studies des United States Holocaust Memorial Museum in Washington, D.C. und den Beiräten der Zeitschriften Journal of Holocaust Research, German History und Holocaust and Genocide Studies.

Im Sommersemester 2019 ist Doris Bergen Gastprofessorin am Jena Center Geschichte des 20. Jahrhunderts. Am 5. Juni 2019 hält sie einen öffentlichen Vortrag mit dem Titel Die Überlebenden und die Historiker. Zum Verhältnis von Zeitzeugenschaft und Holocaustforschung in den Rosensälen der Friedrich-Schiller-Universität.