Die "Konservative Revolution" zwischen Weimar und Bonn

Rechtsintellektuelle Transformationen von den 1930er bis in die 1970er Jahre

Bearbeiter
Dr. Maik Tändler

Kurzbeschreibung
Mit der raschen Entwicklung der Bundesrepublik zu einem demokratischen Verfassungsstaat westlich-liberaler Prägung geriet der antidemokratische und antiliberale Weltanschauungskomplex der „Konservativen Revolution“ schon in den frühen fünfziger Jahren in die Defensive. Zu deutlich schienen seine ideologischen Schnittmengen mit dem Nationalsozialismus zu sein, zu sehr waren seine Vordenker und Anhänger als radikale Gegner der Weimarer Republik und intellektuelle Aufbauhelfer des NS-Regimes diskreditiert. Vor diesem Hintergrund entdeckten die ehemaligen konservativen Revolutionäre das „christliche Abendland“ als neue politisch-geschichtsphilosophische Bezugsgröße, arrangierten sich in Form des „technokratischen Konservatismus“ intellektuell mit dem bundesrepublikanischen Institutionengefüge oder zogen sich ganz aus der politischen Handlungssphäre in die kulturkritische Kontemplation zurück.
Bei genauerem Hinsehen ergibt sich jedoch ein differenzierteres Bild. Nicht nur waren die intellektuellen Kontinuitätslinien aus der Weimarer Zeit in der frühen Bundesrepublik deutlicher und länger ausgeprägt, als es zunächst den Anschein haben mag. Es lassen sich im politisch-publizistischen Feld auch zahlreiche rechtsintellektuelle Akteure entdecken, die zwar einerseits nicht dem Nationalsozialismus nach- oder anhingen, sich andererseits aber auch nicht mit den neuen politischen Gegebenheiten abfinden wollten und die Revitalisierung eines nationalistisch-autoritären Konservatismus anstrebten.
Das Forschungsprojekt nimmt sich dieses bisher nur partiell erforschten rechtsintellektuellen Milieus an, das bis weit in die sechziger Jahre auf durchaus beachtliche öffentliche wie auch versteckte Resonanz stieß. Forschungsziel des Habilitationsvorhabens ist die Rekonstruktion rechtsintellektueller Tradierungs- und Transformationsprozesse im Sinne eines komplexen Kommunikationszusammenhangs. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie sich dieser Zusammenhang in der Folge der historischen Zäsuren von 1933, 1945, 1949 und 1968 jeweils diskursiv, personell und politisch-strategisch neu konstituierte und an die veränderten Verhältnisse anpasste.