Die völkerrechtliche Normierung des Waffenhandels im 20. Jahrhundert

Bearbeiter
Dr. Daniel Stahl

Förderung
Fritz Thyssen Stiftung

Kurzbeschreibung
Das Forschungsprojekt befasst sich mit Rüstungsexporten und den Versuchen, diese durch völkerrechtliche Normen einzugrenzen. Im Mittelpunkt stehen die beiden einzigen Phasen des 20. Jahrhunderts, in denen über völkerrechtliche Normen zur Beschränkung des Waffenhandels verhandelt wurde: die Zwischenkriegszeit und die siebziger Jahre. Während in den ersten anderthalb Jahrzehnten nach dem Ersten Weltkrieg mehrere internationale Konferenzen zum Waffenhandel stattfanden und gleich zwei Vertragswerke das Ratifizierungsstadium erreichten, ohne allerdings in Kraft zu treten, scheiterten die Normierungsbemühungen der siebziger Jahre bereits in der Phase der Vorgespräche.
Es handelt sich somit um eine Geschichte ausgebliebener völkerrechtlicher Normierung. Im Zentrum des Projekts steht die Frage, wie sich die Konjunkturen der Bemühungen zur völkerrechtlichen Begrenzung des Waffenhandels und ihr Scheitern erklären lassen.
Die völkerrechtliche Regulierung des Waffenhandels wurde in der Öffentlichkeit stets vor allem als Instrument zur Linderung menschlichen Leids wahrgenommen. Verhandlungen über die Begrenzung des Waffenhandels erscheinen in dieser Lesart als Folgen des öffentlichen Drucks humanitärer Akteure wie beispielsweise der Friedensbewegung oder der Menschenrechtslobby – eine Deutung, die auch in der Forschung unhinterfragt blieb. Demgegenüber geht dieses Projekt von der These aus, dass sich die Bemühungen zur völkerrechtlichen Normierung des Waffenhandels im 20. Jahrhundert nur zum Teil als Versuch einer Humanitarisierung des Völkerrechts verstehen lassen. Sie wurden nicht zuletzt von macht- und wirtschaftspolitischen Interessen vorangetrieben, die aufs engste verzahnt waren mit humanitären Zielsetzungen.